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27.08.2008 
Kreditausfallraten

Spaniens Banken wanken

von Anne Grüttner

Die Kreditausfallraten spanischer Banken und Sparkassen steigen schnell an. Vor allem einige Sparkassen zeigen eine bedenkliche Mischung aus sinkenden Gewinnen, einem hohen Anteil an faulen Krediten und niedriger Abdeckung. Doch noch liegen die Ausfallraten im internationalen Vergleich bei den meisten Instituten auf recht niedrigem Niveau.

MADRID. Die Kreditausfallrate im gesamten spanischen Finanzsystem betrug nach Angaben der Zentralbank im Juni 1,61 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit 1999 und mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Verantwortlich dafür ist neben der Immobilienkrise das verlangsamte Kreditwachstum.

Die faulen Kredite haben sich in den letzten zwölf Monaten von 10,7 Mrd. auf 28,4 Mrd. Euro fast verdreifacht, während das Kreditvolumen nur um elf Prozent auf 1,76 Bill. Euro wuchs. Alle Experten gehen davon aus, dass dieser Trend noch mindestens bis Ende 2009 anhält. Der Sparkassenverband CECA rechnet bis dahin mit einer Ausfallrate von drei Prozent. Sollte sich Spaniens Wirtschaft stärker als erwartet abschwächen, könnten die notleidenden Kredite noch stärker anschwellen.

Die Sparkassen leiden mehr als die Banken unter faulen Krediten, da sie in den letzten Jahren stark expandiert haben und zum Teil die Kreditkontrolle schleifen ließen, rügte die Ratingagentur Moody?s Anfang August. Bei den Banken beträgt die Rate nur 1,28 Prozent. Die Sparkassen nähern sich jedoch mit 1,91 Prozent schon gefährlich der Zwei-Prozent-Grenze. Zudem verschlechtert sich die Kreditqualität bei ihnen schneller.

Der Grund dafür liegt vor allem im Immobiliensektor. Zwar ist der Anteil der säumigen Zahler unter den Hypothekenkreditnehmern noch gering. Zu schaffen machen den Instituten jedoch die Konkursanmeldungen der Bauträger und Immobilienfirmen wie zuletzt Martinsa Fadesa.

Institute, deren Geschäft in exzessivem Ausmaß auf Immobilienaktivitäten konzentriert ist, "könnten stärker betroffen sein", gab Wirtschaftsminister Pedro Solbes gegenüber der Nachrichtenagentur EFE zu. "Ein Cocktail aus hohem Exposure am spanischen Immobilienmarkt und einer starken Abhängigkeit von den Finanzmärkten könnte für einzelne Banken zu schwerwiegenden Problemen führen", warnt auch Caroline Niziolek von der Raiffeisen Zentralbank Österreich. Das trifft vor allem auf die Sparkassen zu. Bei denen hingen 61 Prozent des ausstehenden Kreditvolumens mit dem Immobiliensektor zusammen, bei den Banken nur 38 Prozent.

Besorgniserregend scheint etwa die Situation bei der Caja Espana, der größten Sparkasse der Region Castilla y Leon. Ihre Gewinne fielen im ersten Halbjahr 23 Prozent geringer als im Vorjahr aus. Zudem meldete sie eine Ausfallrate von 3,9 Prozent, zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Caja Espana ist auch eines der wenigen Finanzinstitute des Landes, dessen faule Kredite nicht zu 100 Prozent, sondern nur zu 72 Prozent abgedeckt sind.

Auch die drittgrößte spanische Sparkasse, Caixa Catalunya, leidet unter einer hohen Ausfallrate von 2,5 Prozent, ein Sprung von noch 1,68 Prozent im März. Die Abdeckungsquote rutschte hier im ersten Halbjahr ebenfalls unter 100 Prozent. Caixa Catalunya war schon Anfang August von der Moody?s wegen ihrer hohen Exposition im Immobilienmarkt von A1 auf A2 herabgestuft worden. Das traf die Katalanier umso härter, da sie sich stark über den Finanzmarkt finanzieren.

Abgesehen von wenigen schwarzen Schafen unter den Sparkassen sehen Experten Spaniens Finanzsystem aber nach wie vor für harte Zeiten gut gerüstet. Das ist vor allem der antizyklischen Rücklagenpolitik der Zentralbank und der Tatsache zu verdanken, dass spanische Banken nicht durch Subprime-bedingte Abschreibungen belastet wurden. "Die Anzahl sowie das Volumen notleidender Kredite stieg zwar seit mehreren Monaten an, befanden sich aber auch auf historisch niedrigen Niveau und liegen auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern auf moderaten Levels", so Analystin Niziolek.

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