Öffentliche Versicherer planen zusammen mit der Deka-Bank ein Gemeinschaftsunternehmen im Großherzogtum, das sich auf spezielle Fondsprodukte konzentrieren soll. Marktführer Allianz
hat hingegen Überlegungen zurückgestellt, einen Lebensversicherer in Liechtenstein zu gründen.
DÜSSELDORF. Der Wettbewerb auf dem Vorsorgemarkt drängt immer mehr Gesellschaften nach Luxemburg, um von Standortvorteilen zu profitieren. Gestern gab der Verband öffentlicher Versicherer zu, entsprechende Pläne zu verfolgen. "Wir wollen gemeinsam mit der Deka-Bank in Luxemburg einen Lebensversicherer für spezielle Fondsprodukte gründen", sagte Verbandsvorsitzender Friedrich Schubring-Giese und bestätigte damit Informationen des Handelsblatts. Die Deka-Bank wollte sich dazu nicht äußern.
Der Verband der öffentlichen Versicherer nimmt für seine Mitglieder eine Reihe von übergreifenden Funktionen wahr etwa die Rückversicherung, das Marketing und die Revision. Die öffentlichen Versicherer selbst bilden die zweitgrößte Versicherungsgruppe in Deutschland. Sie arbeiten im Verbund mit der Sparkassenorganisation und sind nur regional tätig. Zum Sparkassen-Verbund gehört wiederum auch die Fondsgesellschaft Deka-Bank mit ihrer Luxemburger Tochter.
Oftmals vergessen wird, dass die Lebensversicherer zu den größten Vermögensverwaltern gehören. In diesem Bereich werden sie ebenso wie Banken angelockt von Länder wie Luxemburg, Liechtenstein und Irland, die im Vergleich zum Heimatmarkt sowohl steuerliche als auch aufsichtsrechtliche Vorteile bieten - beispielsweise größere Freiheiten bei der Kapitalanlage.
Dazu zählt zum Beispiel die Auflage so genannter Einzelfonds - im Fachjargon Didier-Fonds genannt. Die erlauben eine sehr individuelle Kapitalanlage. Dabei handelt es sich um Fonds, die unter Umständen nur für einen einzigen Kunden und bereits ab einem geringen einstelligen Millionenbetrag aufgelegt werden. Solche Fonds erkennt das deutsche Investmentgesetz im Gegensatz zu Luxemburg nicht an. Wohl aber wird ein solcher Fonds als Anlagevehikel einer fondsgebundenen Lebensversicherung in Deutschland akzeptiert. Mit Hilfe eines solchen Versicherungsmantels können Versicherer ihren Kunden dann sehr individuelle Fondspolicen anbieten im Gegensatz zu Policen im Massengeschäft, die auf Publikumsfonds setzen.
Fondspolicen erfreuen sich in der Versicherungsbranche wachsender Beliebtheit. Der Grund: Hier trägt der Kunde das Kapitalanlagerisiko und nicht der Versicherer, wie bei traditionellen Policen. Hinzu kommt, dass viele Experten einen Boom bei Fondspolicen erwarten, weil sie im Gegensatz zu den direkten Fondsanlagen die Abgeltungssteuer nicht trifft.
Versicherer haben bisher allerdings kaum Erfahrung mit Einzelfonds Luxemburger Prägung. Ausnahme: Die zum Ergo-Konzern gehörende Vorsorge-Lebensversicherung bietet entsprechende Fonds-Policen über ihre Luxemburger Tochter an. Dabei wird jedem Didier-Fonds ein eigener Vermögensverwalter zugeordnet. Marktführer Allianz
hat hingegen Überlegungen zurückgestellt, einen Lebensversicherer in Liechtenstein zu gründen. Der Konzern sah sein Image in Gefahr und wollte nicht in den Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung geraten.
Das Fondsprojekt macht deutlich, dass die Sparkassen-Gruppe immer häufiger gemeinsam voranschreitet. Schubring-Giese vermochte jedoch weder zum aktuellen Stand der Konsolidierungsdebatte bei den Landesbanken noch den Versicherern etwas zu sagen. "Konsolidierungen sind immer ein politisches Thema, und Politiker denken in Standort-Fragen", so der Verbandsvorsitzende. Die öffentlichen Versicherer könnten daher ebenso wenig wie der Sparkassenverband sagen, wohin die Reise gehe. Fakt ist, dass die Versicherer sich gegen eine Vollfusion aller öffentlichen Versicherer ausgesprochen haben. Sie wollen die Regionalstrukturen beibehalten.
Gruppenstärke
Verbund
Die fünf großen Versicherungsgruppen im Sparkassen-Verbund haben 2007 gut 16 Mrd. Euro an Beiträgen (+0,6 Prozent gegenüber Vorjahr) eingenommen. Ihr Schwerpunkt liegt in der Gebäude- und Lebensversicherung. Größter Anbieter ist die Versicherungskammer Bayern. Zusammen kommen die Regionalversicherer auf einen Marktanteil von 10,3 Prozent. Damit rangieren sie seit Jahren stabil auf Platz zwei im deutschen Markt nach der Allianz
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Vertrieb
Drei Viertel des Lebensversicherungsgeschäfts vermitteln die Sparkassen. Letztere haben 38,8 Mill. Kunden, davon sind aber nur 7,1 Mill. in der Gruppe versichert.

