Der Kampf um die Landesbanken geht weiter: Der Bundesobmann des Sparkassenverbandes verteidigt seine Fusionsstrategie - und schiesst scharf gegen seinen Kritiker, den Landesbankchef Merl. Der hatte vor einer Verunsicherung der Angestellten und Geschäftspartner gewahnt.
FRANKFURT. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat gestern die Kritik von Landesbankchef Günther Merl an der Fusionsstrategie unter den öffentlich-rechtlichen Instituten mit scharfen Worten zurückgewiesen. Bundesobmann Jürgen Hilse sagte, Sparkassen brauchten Landesbanken, aber nicht in der heutigen Zahl und Dimensionierung. Es sei der Wille der Sparkassen als Miteigentümer, dass Landesbanken stärker von Geschäften mit „realwirtschaftlichem Bezug“ leben könnten, reine Finanzengagements in internationalen Geschäften müssten dagegen reduziert werden.
Merl hatte in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) dem Handelsblatt gesagt, die wiederholten öffentlichen Forderungen nach einer Verdichtung unter den Landesbanken verunsicherten Kunden, Mitarbeiter und die Geschäftspartner an den internationalen Kapitalmärkten. Außerdem sprach er sich für gemischte Geschäftsmodelle aus, die Privatkunden- und Wholesale-Geschäft umfassen müssten. Auf dieser Basis ergäben dann auch Zusammenschlüsse von Landesbanken einen Sinn. Die Sparkassen wollen dagegen die Landesbanken aus dem direkten Privatkundengeschäft heraushalten.
Hilse erinnerte daran, dass die Sparkassen Eigentümer von Landesbanken seien und nicht umgekehrt. „Deshalb haben die Landesbanken und ihre Vorstände den Kurs der Sparkassen loyal zu unterstützen“, ergänzte Hilse. Er empfinde deshalb die Kritik von Merl in der Fusionsfrage als „unangemessen“. Wer in dieser Frage den DSGV angreife, stelle sich gegen alle deutschen Sparkassenvorstände.
Derzeit gibt es noch sieben selbstständige Landesbanken, die Sparkassen halten über die regionalen Verbände gewichtige Anteile an den Häusern. Im Fall der Helaba ist die Beteiligung mit 85 Prozent besonders hoch.

