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09.06.2008 
Geplante Fusionen

Sparkassen versus Versicherer

von Thomas Schmitt

Im öffentlich-rechtlichen Lager der Versicherungsbranche tobt ein neuer Streit um die Strategie. Die geplante Fusion der SV Sparkassenversicherung mit der Provinzial Nordwest könnte die Branche nachhaltig verändern. Für die Manager der Gesellschaften steht auch persönlich viel auf dem Spiel.

Zentraler Akteur im Fusionspoker: Ulrich-Bernd Wolff von der SahlLupe

Zentraler Akteur im Fusionspoker: Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl

FRANKFURT. Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl bricht heute sein Schweigen. Auf der Bilanzpressekonferenz muss der Vorstandsvorsitzende der SV Sparkassenversicherung die Gretchenfrage beantworten: Möchte er wirklich mit der Provinzial Nordwest fusionieren?

Das ist keineswegs sicher, denn die Gemengelage im Sparkassenlager ist delikat. Welcher öffentliche Versicherer mit wem zusammengeht, ist bisher nur angedacht. Viele Entscheidungen stehen nun an, manche werden auf Jahre hinaus die Richtung weisen. Dabei steht für den Manager aus Stuttgart auch persönlich viel auf dem Spiel.

Von der Sahl ist Anfang 50. Seine Karriere könnte er dieses Jahr krönen und in die erste Riege der Versicherungsmanager aufsteigen. Hessen und Thüringen gehören ihm schon, die Sachsen sind nah bei ihm. Gelänge eine Fusion mit der Provinzial Nordwest, erstreckte sich sein Reich vom Bodensee bis nach Flensburg. Gegen diesen Führungsanspruch könnte der Provinzial-Chef in Münster wohl wenig tun. Heiko Winkler ist zwar erfahrener, aber Anfang 60. Höchstens wenige Jahre würde er den neuen Konzern führen.


Tabelle  Infografik: Der zersplitterte Markt der öffentlichen Versicherer


Doch der schöne Schein trügt. Denn ein Dritter hat auch ein Auge auf die SV geworfen, der Primus der Öffentlichen, die Versicherungskammer Bayern. Neben deren Chef Friedrich Schubring-Giese wäre von der Sahl nur Juniorpartner. Obwohl die Stuttgarter die Münsteraner umgarnen, bleibt München im Spiel - denn die SV könnte immer noch im politischen Banken- und Finanzplatzpoker zwischen Bayern und Baden-Württemberg verschachert werden.

Ob und wann nun etwas passiert, hängt von etlichen Eigentümern ab. Die stärkste Rolle spielen dabei die lokalen Sparkassenfunktionäre, die in der SV das Sagen haben. Über ihnen thront Sparkassenpräsident Heinrich Haasis. Der Politprofi kommt aus dem Ländle und hat die SV zu einer Größe gemacht. Auf Bundesebene spielt Haasis munter weiter den Antreiber: "Es reicht für unsere Versicherer nicht, sich auf dem Niveau anderer Wettbewerber zu bewegen." Sie sollen Blöcke bilden und fusionieren.


Tabelle  Infografik: Marktanteile und Bruttobeitragseinnahmen der öffentlichen Versicherer


Von der Sahl gehorcht, doch er macht Fehler. Der SV-Chef will zusammen mit Münster die Vermögensverwaltung und die Informationstechnologie betreiben. Doch das IT-Projekt "Apollo" ist bisher ein Fass ohne Boden. Es sollte im nächsten Jahr über die Bühne sein, nun ist damit erst in vier bis fünf Jahren zu rechnen. Hunderte Millionen Euro wurden angeblich verpulvert, heißt es, genaues dürfte von der Sahl heute sagen.

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