Als Nachfolger des in den Ruhestand gehenden Karlheinz Bentele wurde der bisherige NRW-Europaminister, Michael Breuer (CDU), zum Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands gewählt. Da der Verband selbst rund 50 Prozent der WestLB hält, wird die Personalie auch entscheidend für die Neuausrichtung der Landesbank.
FRANKFURT. Für die Zukunft der WestLB gab es gestern eine wichtige Weichenstellung. Der 42-jährige NRW-Europaminister Michael Breuer (CDU) wurde auf einer Verbandsversammlung in Aachen einstimmig zum neuen Präsidenten des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV) gewählt. Er tritt zum 1. Januar an und wird vorzeitig Karlheinz Bentele ablösen, der nach elfjähriger Amtszeit in den Ruhestand tritt. Breuer gilt als enger Vertrauter von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), der mehrere Optionen für ein neues Geschäftsmodell für die Landesbank ausloten lässt. Das Land hält 38 Prozent an der WestLB, die Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe sind mit gut 50 Prozent Mehrheitseigentümer der Landesbank.
Die WestLB ist durch fehlgeschlagene Aktienspekulationen in finanzielle Turbulenzen geraten, die bisher rund 600 Mill. Euro an Schaden verursacht haben. Ex-Vorstandschef Thomas Fischer und weitere Vorstände mussten ihren Hut nehmen, die Staatsanwaltschaft, Arbeitsgerichte und die Finanzaufsicht Bafin beschäftigen sich mit dem Fall.
Breuer wird in den kommenden Monaten bei der Neuausrichtung der WestLB eine Schlüsselrolle zufallen, da er voraussichtlich im Frühjahr den Aufsichtsratsvorsitz bei der Bank übernehmen wird. Die Sparkassenverbände hatten auf eine schnelle Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gedrängt, Rüttgers widerstrebt aber diese Lösung. Stattdessen soll die Investmentbank Citigroup zunächst die besten Zukunftsmodelle finden, wobei es in der Landesregierung Symphatien für eine „vertikale Fusion“ gibt, bei der die WestLB durch die enge Bindung an oder Übernahme von Sparkassen einen Zugang zum Massengeschäft mit Privatkunden erhalten soll. Breuer soll sich gestern aber laut Teilnehmern der Versammlung gegen eine solche Vertikalisierung ausgesprochen und damit bei den Sparkassen gepunktet haben, weil diese auf ihre Unabhängigkeit pochen.
Breuer wird als ruhig und unprätentiös beschrieben. Als ausgebildeter Wirtschaftsprüfer sei er bekannt für „sehr strukturiertes Denken“, sagen Weggefährten. Der Familienmensch wirke zielgerichtet hinter den Kulissen, der öffentliche Auftritt liege ihm tendenziell eher weniger. Als Bezirksvorsitzender der CDU Mittelrhein ist Breuer in der Landes- und Kommunalpolitik bestens verdrahtet.
Der amtierende Präsident Bentele wünschte gestern eine möglichst rasche Entscheidung der Politik. Wie auch immer sich die Landesregierung positioniere, „sie möge es bitte bald tun“, mahnte Bentele an. Die anhaltende Unsicherheit schade der WestLB bei Kunden und den Mitarbeitern.

