Die im Jahr 2007 anstehende Privatisierung der Bankgesellschaft Berlin AG wird bereits jetzt zu einer Zerreißprobe für die Sparkassen-Finanzgruppe. So hält die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) aus Potsdam zum Ärger des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) an ihrem Plan fest, die Bankgesellschaftstochter Berliner Bank zu übernehmen.
HB BERLIN. Diese wird voraussichtlich noch in diesem Monat zum Verkauf ausgeschrieben. Durch diese Pläne sieht der DSGV sein Vorhaben in Gefahr, die Bankgesellschaft zu übernehmen. Daher drängt der Verband die MBS zum Rückzug.
Wer die Berliner Bank kauft, darf nach den Auflagen der EU-Kommission nicht für die Bankgesellschaft bieten. Nun befürchtet der DSGV, dass Brüssel das Sparkassenlager aus Wettbewerbsgründen in einen Topf werfen wird. In diesem Fall käme der DSGV, der wohl als öffentliche Körperschaft um die Bankgesellschaft mitbieten will, nicht mehr zum Zuge. „Vieles ist Auslegungssache. Wir können hier kein Risiko eingehen“, heißt es beim DSGV.
Der Hintergrund: Um die Pleite der Bankgesellschaft abzuwenden, hatte das Land Berlin dem Institut vor drei Jahren Milliardenbeträge zur Verfügung gestellt. Die Europäische Kommission stimmte den Beihilfen unter der Voraussetzung zu, dass sich das Institut von Töchtern trennt und spätestens bis Ende 2007 vom Berliner Senat selbst veräußert wird. Das Land hält an dem börsennotierten Institut, das derzeit noch aus der Landesbank, der Berliner Sparkasse und der Berliner Bank besteht und zu 90 Prozent an der BerlinHyp beteiligt ist, 81 Prozent der Anteile. Die Berliner Bank soll nach Vorstellungen Brüssels einschließlich Marke, Zweigstellen, Kunden und Personal bis zum 1. Oktober 2006 verkauft werden.
Der Vorstandsvorsitzende der MBS, Walter Schubert, bekräftigte im Gespräch mit dem Handelsblatt seine Absicht, die Berliner Bank zu erwerben. Die MBS in Potsdam gehört zu den Vorzeigeinstituten unter den Sparkassen in den neuen Ländern und verfügt über erhebliche Reserven.

