7 Bewertungen ***
16.07.2008 
US-Bankenaufsicht reagiert auf Bankenkrise

Spekulation: SEC strafft die Zügel

Unter dem Eindruck der Bankenkrise und der Turbulenzen an den Finanzmärkten gehen die USA gegen Manipulation am Aktienmarkt vor. Die Börsenaufsicht SEC kündigte am Dienstag an, bestimmte Spekulationen auf fallende Kurse bei Finanztiteln zu unterbinden.

rtr WASHINGTON/NEW YORK. Die Behörde verdächtigt einem Medienbericht zufolge unter anderem die Deutsche Bank, mit Manipulationen zum Kollaps der US-Investmentbank Bear Stearns und dem Kursrutsch beim Rivalen Lehman Brothers beigetragen zu haben. Die Chefs dieser beiden betroffenen Investmentbanken haben offenbar Goldman Sachs direkt mit Vorwürfen konfrontiert, deren Londoner Händler hätten Bear-Stearns- und Lehman-Aktien gezielt mit falschen Gerüchten gedrückt.

Die SEC verbietet zunächst bestimmte Leerverkäufe (short selling) von Aktien 19 großer Finanzkonzerne. Dazu gehören die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, aber auch die Titel großer US-Banken wie Lehman Brothers, Goldman Sachs und Merrill Lynch sowie die Aktien von Deutscher Bank und Allianz. Der Vertrauensverlust am Markt könne zu Panikverkäufen führen, die sich durch bestimmte Arten von Leerverkäufen möglicherweise noch verschlimmerten, erklärte die SEC.

Leerverkäufer leihen sich Aktien anderer Marktteilnehmer, die sie als überbewertet ansehen. Sie verkaufen sie in der Hoffnung, einen Profit zu machen, wenn der Kurs fällt. Die Übergangsregel soll zunächst vom 21. bis zum 29. Juli gelten, kann aber bis zu 30 Tage verlängert werden. Die SEC erwägt zudem, für den gesamten Aktienmarkt Regeln für Leerverkäufe aufzustellen. US-Bankenaktien waren am Dienstag auf den tiefsten Stand seit 1996 gefallen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen, neben der Deutschen Bank und Goldman Sachs sei auch Merrill Lynch ins Visier der US-Börsenaufsicht SEC geraten. Die Behörde habe im Zusammenhang mit dem Handel von Lehman-Brothers- und Bear-Stearns-Aktien Vorladungen an die Institute geschickt und verlange Handelsaufzeichnungen und E-Mails. Die Deutsche Bank in Frankfurt lehnte eine Stellungnahme ab, die beiden anderen Banken und die SEC waren zunächst nicht zu erreichen.

Das Handelsvolumen bei Bear-Stearns-Aktien hatte in den Tagen vor dem Kollaps der einst fünfgrößten US-Investmentbank deutlich zugelegt. Medienberichten zufolge trugen von Spekulanten im Umlauf gebrachte Gerüchte zum Zusammenbruch der Bank bei. Lehman-Aktien gerieten zuletzt ebenfalls erheblich unter Druck.

Das "Wall Street Journal" berichtete, der ehemalige Bear-Stearns-Chef Alan Schwartz habe Goldman-Chef Lloyd Blankfein gefragt, ob an den Gerüchten etwas dran sei, Goldman-Händler in London hätten den Kurs der Bear-Stearns-Aktie manipuliert. Lehman-Chef Richard Fuld habe deshalb ebenfalls bereits mit Blankfein gesprochen. Fuld habe zudem auch direkt Händler angesprochen, die sich abfällig über die Lehman-Aktie geäußert hätten, hieß es in dem Bericht. Angesichts von Gerüchten über eine bevorstehende Insolvenz waren Lehman-Aktien in den vergangenen Wochen eingebrochen. Es ist illegal, gezielt falsche Informationen zu streuen, um Aktienkurse zu manipulieren.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Japan steckt in der Immobilienkrise  Artikel in Merkliste

07.09.2008, 07:00 Uhr

Fallende Bodenpreise und sinkende Büromieten bringen jetzt auch Japans Immobilienbranche in Bedrängnis. Die Aktienkurse von Immobilienentwicklern stürzen täglich weiter ab, nachdem mehrere Spieler insolvent geworden sind. Artikel


Anzeige