Die umfangreichen Garantien für die BayernLB und WestLB werden zu einer Belastungsprobe für den Verbund. Denn wenn der Ernstfall eintritt, könnten einzelne Sparkassen überfordert sein. Einspringen müsste dann der Verbund, dessen Finanzkraft schon jetzt angegriffen ist.
BERLIN. Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV), Claus Friedrich Holtmann, warnt vor den Folgen der Sparkassen-Garantien für die Landesbanken. Diese könnten sich zu „Granaten“ für den Sparkassen-Verbund entwickeln, die dann auch das Haftungssystem und die Institutssicherung infrage stellen.
Auf einer Veranstaltung in Magdeburg bezog sich Holtmann dabei auf die milliardenschweren Garantien, die die bayerischen und nordrhein-westfälischen Sparkassen „ihren“ jeweiligen Landesbanken gegeben haben. Sie dienen zur Risikoabschirmung von Wertpapierportfolios im Rahmen der Finanzmarktkrise. Die Bayern LB will dazu ein 24 Mrd. Euro schweres Wertpapierportfolio ausgliedern, das mit einer Bürgschaft von sechs Mrd. Euro abgesichert werden soll. Die 75 bayerischen Sparkassen, die die Hälfte der BayenLB-Anteile halten, wollen sich mit einer Garantie von 2,4 Mrd. Euro an dieser Transaktion beteiligen.
In Nordrhein-Westfalen haben sich die Sparkassen gemeinsam mit dem Land ebenfalls auf Hilfen verständigt. Konkret wollen die Parteien für Ausfälle eines ausgegliederten WestLB-Wertpapierportfolios, das einen Umfang von 23 Mrd. Euro hat, haften. Die Garantien belaufen sich auf fünf Mrd. Euro, wobei die Sparkassen rund eine Mrd. Euro im Ernstfall zu schultern hätten.
OSV-Präsident Holtmann macht sich nun Sorgen, dass einzelne Sparkassen die finanzielle Belastung nicht verkraften, wenn die Garantien in Anspruch genommen werden. „Muss ich dann als OSV ran, obwohl mich keiner gefragt hat, ob die Garantien gegeben werden sollen? Halte ich dann noch die Institutssicherung aufrecht? Hier liegen doch die Granaten“, sagte Holtmann in Magdeburg. Die Institutssicherung sorgt dafür, dass de facto keine Sparkasse pleitegehen kann, sondern immer durch den gesamten Verbund aufgefangen wird. Stünde zum Beispiel eine Sparkasse in Bayern vor der Insolvenz, trägt also auch ein Verbundinstitut in Norddeutschland zur Rettung bei. Holtmann stört sich daran, dass die Sparkassen nun durch die Garantien verstärkten Risiken ausgesetzt sind, obwohl viele von ihnen keinen Einfluss darauf haben.
„Die Garantien sind ein Damoklesschwert für die Sparkassen. Wenn diese gezogen werden, was angesichts der anhaltenden Finanzmarktkrise nicht ausgeschlossen werden kann, könnte es für viele Sparkassen eng werden“, sagt ein Branchenkenner, der ungenannt bleiben will.
Teilweise sind die Sparkassen jedoch selbst schuld an ihrer Situation. „Die Sparkassen haben ihre Chancen bislang nicht ausreichend genutzt, ihren Einfluss bei der Konsolidierung der Landesbanken auszuüben. Jetzt müssen sie Garantien aussprechen“, bemerkt Dirk Vater, Partner und Bankenexperte bei der Beratungsgesellschaft Bain & Company.
Die Finanzkraft des Verbunds ist ohnehin angegriffen. So mussten die Institute bereits tief in die Tasche greifen, um den Kaufpreis für die Landesbank Berlin in Höhe von 5,3 Mrd. Euro im vergangenen Jahr aufzubringen. Dazu kommt, dass die Sparkassen betriebswirtschaftlich gesehen derzeit nicht gerade auf Rosen gebettet sind. Die Zinsmarge ist zurückgegangen und sorgt für sinkende Erträge im Zinsgeschäft – der mit Abstand größten Ertragsquelle für die Institute. Zudem tobt ein unvermindert harter Wettbewerb um den Privat- und Firmenkunden in Deutschland.
Einige große Institute schwächeln bereits. So erhielt die Sparkasse Köln-Bonn bereits eine stille Beteiligung in Höhe von 300 Mill. Euro durch ihre Träger. Zuvor war das rheinische Institut gezwungen, stille Reserven in Höhe von mehr als 170 Mill. Euro zu heben, um den Jahresfehlbetrag zu begrenzen.

