Die britische Bankenlandschaft wird sich durch die Rettungsaktion der Regierung deutlich verändern. Die Royal Bank of Scotland
kehrt zu den Wurzeln zurück und muss sich in Bescheidenheit üben, Lloyds TSB
und HBOS
schließen sich zusammen.
LONDON. Die britische Bankenlandschaft wird sich durch die Rettungsaktion der Regierung deutlich verändern. Die Royal Bank of Scotland
(RBS)
muss sich im Gegenzug für die staatliche Kapitalspritze in Bescheidenheit üben. Der designierte neue Vorstandschef Stephen Hester stellte gestern in einer Telefonkonferenz klar, dass er die Ambitionen des Instituts im globalen Investment-Banking zurechtstutzen wird. Dafür will er das Privatkundengeschäft stärken. Die ebenfalls schottische Bank HBOS
wird zu einem deutlich nach unten korrigierten Preis von Lloyds TSB
geschluckt werden. Die Börse reagierte gestern mit kräftigen Kursverlusten der drei geretteten Banken - alle anderen legten zu.
RBS
bekommt vom britischen Staat eine Kapitalspritze von bis zu 20 Mrd. Pfund - mehr als die anderen Banken, die das Rettungspaket in Anspruch nehmen, zusammen. 15 Mrd. Pfund davon entfallen auf Stammaktien, fünf Mrd. Pfund auf Vorzugsaktien, die mit einem Kupon von zwölf Prozent ausgestattet sind. Wenn nicht private Aktionäre einen Teil der Kapitalerhöhung aufnehmen, wird die Regierung mit gut 60 Prozent Mehrheitsaktionär der schottischen Bank.
Auch bei HBOS
wird die Regierung bis zur Fusion, die für Anfang 2009 geplant ist, die Mehrheit übernehmen. Nach der Fusion wird ihr Anteil bei gut 40 Prozent liegen, falls sich nicht noch private Kapitalgeber finden. HBOS
bekommt im Zuge des Rettungspaktes 11,5 Mrd. Pfund, davon drei Mrd. als Vorzugskapital; Lloyds TSB
5,5 Mrd. Pfund, davon 4,5 Mrd. als Vorzugskapital. Bei der Fusion erhalten die HBOS
-Anteilseigner 0,605 statt der bisher vereinbarten 0,833 Lloyds-Aktien je HBOS
-Aktie.
Die anderen Banken, die von der Regierung als Teilnehmer des Rettungspakets genannt worden waren, wollen ihren zusätzlichen Kapitalbedarf jetzt bei privaten Anlegern oder durch interne Umschichtungen decken. So stärkt die spanische Bankengruppe Santander
ihrer britischen Tochter Abbey mit einer Mrd. Pfund den Rücken. HSBC
hat 750 Mio.. Pfund zusätzliches Kapital für die britische Landesgesellschaft bereitgestellt.
Barclays
will 6,6 Mrd. Pfund bei privaten Anlegern einsammeln, drei Mrd. davon als Vorzugskapital und 3,6 Mrd. durch die Ausgabe neuer Stammaktien bis Ende März 2009. Um weitere 3,5 Mrd. Pfund will das Institut die Kapitalposition durch andere Maßnahmen verbessern, unter anderem den Verzicht auf eine Dividende. Altaktionäre hätten bereits im Prinzip eine Mrd. Pfund neues Kapital zugesagt, teilte Barclays
mit.

