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17.06.2005 
Lebensversicherungspolicen verkaufen sich in Deutschland schlechter

Standard Life befürchtet Rückschlag

von Rita Lansch und Felix Schönauer

Der Chef des britischen Versicherers Standard Life geht davon aus, dass das rapide Wachstum seiner Gesellschaft in Deutschland in diesem Jahr nicht anhalten wird.

HB LONDON/DÜSSELDORF. „Unser Marktanteil dürfte deutlich zurückgehen, und wir sehen die Anzeichen dafür schon im ersten Quartal“, sagte Vorstandschef Sandy Crombie dem Handelsblatt. Der Grund: Bei den britischen Produkten steht der Anlageaspekt stark im Vordergrund vor der Absicherung des Kunden. Weil in Deutschland seit Jahresanfang die steuerliche Förderung für Lebensversicherungen weitgehend abgeschafft wurde, sind diese Angebote weniger attraktiv geworden.

Der drohende Verlust der Steuerfreiheit hat Ende 2004 noch einen regelrechten Schlussverkaufsboom ausgelöst. Standard Life ging dabei deutlich aggressiver vor als deutsche Konkurrenten. Die Briten warben vor allem mit der vergleichsweise höheren Aktienquote. Während hiesige Versicherer nur noch rund acht Prozent (nach Buchwerten) in Aktien investieren und maximal 35 Prozent in Risikokapital anlegen dürfen, legt Standard Life mehr als die Hälfte des Geldes (55 Prozent nach Marktwerten) in Aktien an. Der Unterschied basiert darauf, dass die Briten für die Kundengelder nahezu keine Garantien abgeben. Das in Edinburgh beheimatete Unternehmen Standard Life schloss 2004 allein 15 Prozent seiner neu gewonnenen Verträge in Deutschland ab. Mit Policen im Wert von 216 Mill. Pfund verdoppelte sich der Marktanteil im Neugeschäft nach eigenen Angaben auf 2,1 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte er sich nach Ansicht Crombies jedoch wieder halbieren. Insgesamt hat das Beitragsaufkommen Ende 2004 gut 720 Mill. Euro betragen, nach nur 417 Mill. Euro im Jahr zuvor.

In Deutschland ist Standard Life seit 1996 aktiv. Standard Life sei damals in einen „Markt mit geringer Konkurrenz“ gekommen, sagt Crombie, und bis heute sei die Innovationsfreude nicht sehr groß. Das sieht die deutsche Finanzaufsicht ähnlich. Ihr erster Direktor Thomas Steffen mahnt mehr Innovationsfreude der deutschen Anbieter an. Die ausländische Konkurrenz vermarkte sich geschickter, sagt Steffen. Allerdings registriere er hier und da auch Auswüchse, etwa wenn ausländische Anbieter „in sehr bunten Bildern ihre hohen Renditen der vergangenen 20 Jahre anpreisen“. Er setzt hinzu: „Dies ist solange nicht zu beanstanden, wie der Kunde klar erkennen kann, dass es keinerlei Garantie für derart hohe Renditen auch in der Zukunft gibt.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hohes Aktien-Investment birgt große Risiken

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