Zwei Monate nach seinem Börsengang hat der britische Versicherer Standard Life die Anleger mit seinen ersten Halbjahreszahlen enttäuscht. Mit 206 Mill. Pfund fiel der operative Gewinn rund 45 Mill. Pfund niedriger aus als von den Analysten erwartet.
HB LONDON. Unmittelbar nach der Bekanntgabe der Bilanz verlor die Aktie 1,2 Prozent an Wert. Doch das sind nicht die einzigen Probleme, mit denen Standard Life derzeit zu kämpfen hat: Dem Versicherer droht seine Führungsriege abhanden zu kommen.
Standard Life hat im Juli im Rahmen des größten britischen Börsengangs der vergangenen sechs Jahre Aktien im Wert von über eine Mrd. Pfund an den Markt gebracht. Mit dem Schritt an den Kapitalmarkt endete die über 80-jährige Geschichte als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Vorstandschef Sandy Crombie macht unter anderem die Spätfolgen des Börsengangs für den niedriger als erwarteten Gewinn in den ersten sechs Monaten verantwortlich. Im Rahmen der Emission erhielt jedes Mitglied des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit eine Prämie von durchschnittlich 2 300 Euro. Viele Kunden hätten deshalb den Börsengang abgewartet und dann ihre Policen gekündigt, hieß es bei Standard Life. Bis Ende des Jahres würde sich das Niveau der Kündigungen voraussichtlich wieder auf ein normales Niveau einpendeln. Im ersten Halbjahr bildete der Versicherer für Risiken aus der Auflösung der Verträge Rückstellungen von 100 Mill. Pfund, die das Ergebnis belasteten.
Durch eine Änderung des britischen Pensionsrechts im April hatten andere Anbieter mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Bei Standard Life verzögerten sich die Effekte jedoch durch den Börsengang.
Standard Life hat aber auch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Die Anleger machen sich Sorgen über den drohenden Personalmangel auf der Vorstandsetage. Erst Anfang dieser Woche gab der Konzern bekannt, dass die 49-jährige Finanzchefin Alison Reed den Versicherer Ende Oktober verlassen wird. Chairman Brian Stewart hat bereits angekündigt, dass er gehen wird, sobald sich Standard Life als börsennotiertes Unternehmen etabliert hat. Auch der 58-jährige Crombie will abtreten, wenn er 60 Jahre alt wird. Zeitungsberichten zufolge will auch der für den Börsengang unmittelbar zuständige Vorstand John Hylands zum Jahresende ausscheiden. Er war Reeds Vorgänger als Finanzchef.

