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19.02.2008 
Fusionsgespräche

Steinbrück verärgert Fonds

Großanleger wehren sich gegen die Pläne von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), durch einen Fusion von Postbank und Commerzbank eine zweite international wettbewerbsfähige Geschäftsbank in Deutschland aufzubauen, – und mahnen ein transparentes Verkaufsverfahren bei der Postbank an.

agr/hst/ina/rob FRANKFURT. „Die aktuellen Meldungen sorgen bei uns für Unmut“, sagt Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS. Die Postbank gehöre den Aktionären und nicht dem Finanzminister, findet er deutliche Worte. Und Oliver Flade von Allianz Global Investors ergänzt: „Es ist undenkbar, dass die Politik Präferenzen für einen Verkauf der Postbank äußert.“ Es sei Sache des Marktes, des Managements sowie der Anteilseigner, einer Fusion zuzustimmen oder nicht.

Das Handelsblatt hatte gestern berichtet, dass die Commerzbank Wunschkandidat Steinbrücks für einen Zusammenschluss mit Deutschlands größter Filialbank, der Postbank, ist. Der Bund ist Großaktionär der Post, die 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank hält. Eine Fusion soll möglichst noch in diesem Jahr erfolgen. Die Bundesregierung führt nach Handelsblatt-Informationen seit mehreren Monaten Gespräche mit Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller und seinem designierten Nachfolger Martin Blessing.

Für Allianz-Mann Flade ist den Banken in Deutschland nicht allein damit geholfen, wenn die Postbank und eine weitere große Privatbank fusionieren. Der Bankenmarkt insgesamt müsse eine gesündere Struktur erhalten. Es seien sowohl eine Reduzierung der Anzahl der Landes- und Privatbanken als auch eine Konsolidierung zwischen den Säulen Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen und Privatbanken nötig.

Kaldemorgen sieht viele Interessenten für die Postbank, denn „ein Käufer könnte mit der Postbank den Marktanteil noch einmal deutlich erhöhen“. Die größte heimische Filialbank mit 14,5 Mill. Privatkunden wäre für eine deutsche Bank wohl wertvoller als für eine ausländische, ergänzt der Geschäftsführer. Das Management von Post und Postbank hätten die Pflicht und Aufgabe gegenüber den Aktionären, die Bankenkombination voranzutreiben, die den größten Wert sowohl für die Institute als auch für die Aktionäre bringe, sagt Flade.

In Bankenkreisen wurden als Interessenten neben der Deutschen Bank etwa auch die Institute Santander, BBVA und SEB genannt. Während die spanische BBVA versicherte, keine Pläne in Richtung Postbank zu besitzen, lehnten Santander und die schwedische SEB einen Kommentar ab. Zudem sollen die britischen HSBC und Royal Bank of Scotland laut Bankenkreisen Interesse signalisiert haben.

Bei einem Verkauf wünscht sich der Postbank-Aktionär DWS nicht nur einen möglichst hohen Preis, sondern auch Bargeld und keinen Aktientausch.

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