Auf Druck der Banken mit großem Filialnetz verteuert Mastercard das Geldabheben am Automaten. Als Konsequenz könnte sich die Bargeldversorgung der Kunden von Direktbanken verteuern, denn diese heben ihr Geld meist mit Kreditkarte ab. Auch für Visa-Kunden kann dies direkte Konsequenzen haben.
FRANKFURT. Hebt ein Kunde ab Oktober mit seiner Kreditkarte bei einer anderen Bank Geld ab, muss seine Hausbank dafür im Schnitt 1,70 Euro statt bisher 1,20 Euro zahlen. Das geht aus einem Schreiben Mastercards an die deutschen Banken hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Ab 2009 sollen Banken dann die Gebühren für den Einsatz der Mastercard an ihren Automaten frei bestimmen können. Dies könnte zu weiteren Erhöhungen führen, weil die Banken die Gebühren dann erstmals auch dem Fremdkunden direkt berechnen können.
Als Konsequenz könnte sich die Bargeldversorgung der Kunden von Direktbanken verteuern. Denn diese heben ihr Geld meist mit Kreditkarte ab. Das ist Sparkassen und Volksbanken, die im Gegensatz zur ihrer Direktbank-Konkurrenz ein umfangreiches Geldautomatennetz betreiben, ein Dorn im Auge. Denn dadurch wird ihr Wettbewerbsvorteil zunichte gemacht. Die Automatengebühren unter den Banken für Kreditkarten sind zudem deutlich niedriger sind als beim Einsatz der EC-Karte, für den sich die Banken gegenseitig im Schnitt 4,50 Euro berechnen.
Über Kreditkarten bieten Direktbanken wie ING Diba, DKB oder Volkswagen Bank ihren Kunden das Abheben an fremden Geldautomaten kostenlos an. Allerdings stützen sich diese Institute wie die meisten Direktbanken auf den Mastercard-Konkurrenten Visa. Und der will seine Gebühren nicht anheben. Sie liegen derzeit mit 1,74 in etwa auf dem Niveau, das Mastercard für den Herbst plant. „Wir befürchten sonst, dass eine Preisspirale in Gang gesetzt wird“, sagt der Geschäftsführer von Visa Europe in Deutschland, Ottmar Bloching. Die Gebühren lägen in Deutschland schon jetzt höher als in vielen anderen europäischen Ländern.
Wie viel der Kunde selbst künftig zahlt, ist nach dem Schritt von Mastercard nicht klar, denn einige Banken bezuschussen ihre Kunden, andere verlangen höhere Gebühren, als sie selbst an andere Institute zahlen. „Den Kunden betrifft es erst, wenn die Banken darauf reagieren, indem sie ihrem Kunden auch höhere Gebühren für die Barabhebung bei fremden Instituten in Rechnung stellen“, sagt Kartenexperte Uwe Döhler von der Stiftung Warentest. Allerdings könnte die neue Regelung für die Verbraucher zu unübersichtlicheren Gebühren führen.
Branchenexperten sehen die verschiedenen Tendenzen der beiden mit Abstand größten Kreditkartenanbieter als Richtungsstreit. Während sich Visa auf der Seite der Direktbanken positioniert, nimmt Mastercard die Sichtweise der Geldautomatenbetreiber ein. „Es kostet Geld, Geldautomaten vorzuhalten. Und dieses Geld muss auch wieder hereingeholt werden“, sagt ein Mastercard-Sprecher. Der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken begrüßt den Schritt. Und auch der Deutschen Sparkassen- und Giroverband lobt: „Mastercard gibt damit ein klares Zeichen in Richtung Universalbanken, dass sich Investitionen in Infrastruktur lohnen.“
Abzuwarten bleibt, wie sehr der Druck auf Visa und die Direktbanken steigt. Möglich ist, dass einige Institute Visa-Karten fremder Banken künftig nicht mehr akzeptieren.

