Die Sparkassen drehen den Hahn zu: Kunden der Citibank, der ING Diba oder der DKB sollen kein Geld mehr mit ihrer Visa
-Karte an den Sparkassen-Bankautomaten abheben können. Vier der Direktbanken haben sich zusammengetan und drohen mit rechtlichen Schritten.
FRANKFURT. Der Streit zwischen Sparkassen und Direktbanken über die Nutzung der Geldautomaten spitzt sich zu. Mehr als 40 Sparkassen haben seit Sommer nach Informationen des Handelsblatts bei dem Kreditkartenanbieter Visa
beantragt, dass die Kunden mehrerer Direktbanken über ihre Visa
-Karte kein Bargeld mehr an den Automaten erhalten. Besonders betroffen sind die Kunden von Citibank, ING Diba, Santander
, Volkswagen Bank - und auch die sparkasseneigene Direktbank DKB.
Vier Direktbanken haben sich zusammengetan und vier der Sparkassen in einem Schreiben mit gerichtlichen Schritten gedroht, wenn diese nicht bis Ende der Woche die Sperrung wieder aufheben. Die vier angeschriebenen Institute sind die Sparkassen Mansfeld-Südharz, Nienburg, Schaumburg und Heilbronn. Das Schreiben stammt von der Citibank, der ING Diba, Santander
und der Volkswagen Bank. Auch ein späteres Anrufen der Kartellbehörden schließen die Banken nicht aus.
"Wer glaubt, im Wettbewerb zu solchen Mitteln greifen zu müssen, der muss mächtig unter Druck stehen", kritisierte der Vorstandsvorsitzende der ING Diba, Ben Tellings, gestern auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch". Man werde nicht akzeptieren, dass die eigenen Kunden diskriminiert würden. Eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sagte, es sei die geschäftspolitische Entscheidungen der einzelnen Institute, wessen Visa
-Karte sie an ihren Automaten akzeptieren. "Wir können es nachvollziehen, wenn eine Sparkasse ihre Geldautomatenservices nur solchen Banken zugänglich macht, die im Gegenzug einen vergleichbaren Service für Sparkassenkunden anbietet."
Die vier Banken, die den Sparkassen nun mit gerichtlichen Schritten drohen, bieten ihren Kunden seit einem guten Jahr an, mit der Visa
-Kreditkarte kostenlos Bargeld an allen Geldautomaten in Deutschland abheben zu können. Die Institute zahlen für jede Abhebung mit der Visa
-Karte 1,74 Euro, stellen dies dem Kunden aber nicht in Rechnung. Dies seien die höchsten Gebühren in Europa und lägen deutlich über den Kosten der Geldautomatenbetreiber, betont Tellings. Die 1,74 Euro sind aber deutlich günstiger als die 4,50 Euro Gebühren, die sich die Banken und Sparkassen in Deutschland gegenseitig für das Abheben mit der EC-Karte in Rechnung stellen.
Den Sparkassen ist dieses Angebot ein Dorn im Auge, weil eines ihrer Faustpfände - die fast 25 000 Geldautomaten in Deutschland - auch von Kunden der Direktbanken genutzt werden kann. Die Direktbanken merzen so ihre Schwäche in der Bargeldversorgung aus.
Hinter den Kulissen haben die Sparkassen bereits seit längerem Druck gemacht. Mastercard
hat den Mitgliedsbanken im Sommer angekündigt, das ab kommendem Jahr die Geldautomatenbesitzer ihre Gebühren für das Abheben mit Fremdkarte selbst festlegen können. Visa
hingegen hat sich auf Druck der Direktbanken gegen diesen Schritt gestellt. Zum aktuellen Streit sagte Visa Europe nur, das Problem sei dem Kartenanbieter bekannt. "Wir bedauern die Situation, die einem Teil unserer Karteninhaber Unannehmlichkeiten bereitet. Unser Anspruch ist es, Inhabern von Visa
Kreditkarten rund um die Welt das Abheben von Bargeld zu ermöglichen."

