Streumunition: Die Deutsche Bank und der Krieg

Streumunition
Die Deutsche Bank und der Krieg

Weltweit wird trotz internationaler Ächtung noch immer Streumunition eingesetzt – etwa bei den Konflikten in Syrien und der Ukraine. An der Finanzierung der Produktion sind auch deutsche Unternehmen beteiligt.
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DüsseldorfFür Branislav Kapetanovic  änderte ein Einsatz nahe der serbischen Stadt Sjenica am 9. November 2000 alles. Der Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes wollte das Areal von Streubomben befreien, die von der Nato im Kosovokrieg 1999 über Serbien abgeworfen worden waren und auch ein Jahr danach noch die gesamte Bevölkerung gefährdeten. Eine der nicht explodierten Bomben war unter einem Strauch verborgen, sodass Kapetanovic sie nicht sah – bis sie hochging. Von der Detonation wurde Kapetanovic meterweit durch die Luft gewirbelt, er schluckte Staub und fühlte die Taubheit am ganzen Körper. Seit dieser Explosion hat er nur noch Stümpfe an Armen und Beinen und sitzt im Rollstuhl. Heute setzt sich Kapetanovic mit weltweiten Kampagnen gegen den Einsatz und die Finanzierung von Streumunition ein.

Auch vor der Deutschen Bank, die bis heute an der Finanzierung der weltweit geächteten Waffen beteiligt ist.

Streumunition ist so gefährlich, weil die weit verstreuten Bomben häufig lange nach Ende eines Kampfeinsatzes detonieren und so Zivilisten oder Helfer wie damals den Serben Branislav Kapetanovic treffen. Das Thema ist derzeit aktueller denn je, denn die Waffen sind derzeit besonders in Syrien ein Problem, wo 2013 laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mindestens 1000 Menschen getroffen wurden. Und auch in der Ostukraine dokumentierte die NGO zuletzt den Einsatz der brisanten Waffen, mutmaßlich durch das ukrainische Militär. An der Finanzierung der Hersteller beteiligen sich bis heute auch deutsche Unternehmen wie die Deutsche Bank und der Versicherer Allianz.

Laut Recherchen der niederländischen Nichtregierungsorganisation Pax waren Deutschlands größtes Bankhaus oder seine Töchter im Sommer 2013 mit 43,73 Millionen Dollar und im Sommer 2014 mit insgesamt 37,8 Millionen US-Dollar in Firmen investiert, die in den vergangenen zwei Jahren Streumunitionswaffen oder Komponenten herstellten. Noch stärker als die Deutsche Bank war zuletzt unter den deutschen Finanzinstituten nur die Versicherung Allianz im Geschäft – sie war im Sommer 2013 mit 160,6 Millionen und im Sommer 2014 mit 132,73 Millionen US-Dollar in entsprechende Firmen investiert, die mit den gefährlichen Waffen Geld verdienen.

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