Studie: Landesbanken droht Stellenabbau: Wen die Finanzkrise als nächsten trifft

Studie: Landesbanken droht Stellenabbau
Wen die Finanzkrise als nächsten trifft

Während die Verhandlungen um das Sanierungskonzept der angeschlagenen WestLB noch anhalten, rücken Experten zufolge weitere öffentlich-rechtliche Institute in den Fokus. Einer Studie zufolge drohen Landesbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken massive Probleme aufgrund eher schwacher operativer Ertragslage und Risikofähigkeit massive Probleme.

FRANKFURT. Die Unternehmensberatung Bain & Company prognostiziert ein Andauern der Finanzkrise "bis mindestens 2009" und leitet daraus erheblichen Anpassungsdruck für die öffentlich-rechtlichen Institute sowie für die Kreditwirtschaft insgesamt ab. Die Gewinne der Banken kommen laut Bain stark unter Druck. Zu den Belastungsfaktoren zähle der riesige Wertberichtigungsbedarf bei strukturierten Finanzprodukten, steigende Kosten der Refinanzierung und ein erhöhter Eigenkapitalbedarf, heißt es in der Studie "Finanzkrise und ihre Folgen".

Die öffentlich-rechtlichen Institute, die sich bisher mit Aussagen zum Geschäftsjahr 2007 überwiegend sehr bedeckt zeigen, rückten zunehmend in den Fokus. "Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken sowie die Genossenschaftsbanken werden als Nächstes von der Finanzkrise betroffen. Die Probleme werden sich im Jahresverlauf noch häufen, weil die operative Ertragslage und Risikotragfähigkeit der Institute traditionell eher schwach sind", sagt Dirk Vater, Partner und Bankenexperte bei Bain. Wegen stark sinkender Zinserträge seien einige Institute dazu übergegangen, ihre stillen Reserven anzuzapfen, ergänzt der Berater.

Die beiden Finanzverbünde wollten die Einschätzung nicht teilen. Die Volks- und Raiffeisenbanken seien die am wenigsten von der Finanzkrise betroffene Bankengruppe, sagte eine Sprecherin des Verbands BVR. Die regional tätigen Kreditinstitute verfügten über einen stabilen Einlagenüberhang, vor allem durch die Spareinlagen. "Sie sind deshalb weniger abhängig von Refinanzierungen am Kapitalmarkt als börsennotierte Privatbanken", sagte eine BVR-Sprecherin. Auch die Sparkassen hielten dagegen und teilten mit, die Fakten sprächen eine andere Sprache: "Die Sparkassen haben ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Sie refinanzieren sich weitgehend über Kundeneinlagen und können in der jetzigen Situation an den Kapitalmärkten Liquidität zur Verfügung stellen", sagte ein Sprecher des Dachverbandes DSGV.

Besonders drastische Auswirkungen erwartet Vater bei den Landesbanken, die für 2007 auf den internationalen Bilanzstandard IFRS umstellen und ihre strukturierten Papiere möglichst marktnah bewerten müssen. Relativ glimpflich werden nach Einschätzung eines Analysten nur die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die NordLB aus der Finanzkrise herauskommen. "Wir werden bei den Landesbanken größere Programme zur Kostensenkung sehen. An einem Arbeitsplatzabbau führt kein Weg vorbei, das zeigt auch das jüngste Beispiel der WestLB."

Das Düsseldorfer Kreditinstitut steht wegen der Folgen der Finanzkrise und hausgemachter Fehler vor Stellenstreichungen. Einem Bericht des Magazins "Focus" zufolge sollen 1 700 Jobs wegfallen, allerdings hieß es dazu von der WestLB, es sei noch keine Entscheidung gefallen. In der Bain-Studie heißt es, die Banken würden dieses Mal nicht nur simple Kostenkürzungen vornehmen, sondern auch Strukturveränderungen angehen. Das stimmt etwa auch für die WestLB, die den Personalbedarf im Zusammenhang mit dem zukünftigen Geschäftsmodell berechnet. Beobachter schätzen die durchschnittlichen Personalkosten bei der WestLB auf rund 145 000 Euro pro Kopf, damit wäre er doppelt so hoch wie bei anderen Landesbanken. Allerdings unterhält die Bank auch ein vergleichsweise stark besetztes Auslandsnetz, Kostentreiber ist auch die Betonung des Kapitalmarktgeschäfts.

Am vergangenen Freitag hat die Ratingagentur Standard & Poor's den negativen Ausblick für das Rating der WestLB bestätigt. Damit droht weiterhin die Gefahr einer Herabstufung der Bonität.

Bain-Experte Vater sagt deutliche Veränderungen bei allen Banken voraus. "Personal und IT sind die größten Kostenblöcke. Die Auslagerung von ganzen Betriebseinheiten wird in Zukunft noch intensiver diskutiert werden." Bain erwartet zudem eine Zunahme der Fusionen. "Die Krise wird sich ausweiten und besonders kleine und mittlere Banken in ihrer Existenz bedrohen", so Vater. Deshalb erwarte Bain "eine stärkere Konsolidierung."

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