Studie über Gesundheit: Wenn Banker ihren Körper missbrauchen

Studie über Gesundheit
Wenn Banker ihren Körper missbrauchen

120-Stunden-Wochen, zuviel Alkohol und leere Pizzakartons unterm Schreibtisch: Investmentbanker lassen sich einer Studie zufolge ausbeuten und leben im ständigen Krieg mit ihrem Körper.
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New YorkSie gelten als die globale Hochleistungselite. Die Investmentbanker der Wall Street machen das Unmögliche möglich, zu jeder Zeit. Und sie sind die heimliche, geldgesteuerte Macht, die die Welt in Wahrheit regiert. So werden sie nicht nur von den Protestlern der Occupy-Wall-Street-Bewegung gesehen, so sehen sie sich auch nur allzu gerne selbst. Tatsächlich aber sind viele von ihnen kranke, teilweise alkohol- und tablettenabhängige Büroknechte, mit stinkenden Sportklamotten und leeren Pizzakartons unter dem Schreibtisch, die sich und ihren Körper in regelmäßigen 120-Stunden-Wochen selbst zugrunde richten.

Das ist jedenfalls das Bild, dass eine neue Studie der University of Southern California zeichnet. „Das ist das schmutzige kleine Geheimnis der Wall Street“, sagt die Autorin der Studie, Managementprofessorin Alexandra Michel, dem Handelsblatt.

Und Michel weiß, wovon sie redet. Bevor sie die akademische Laufbahn einschlug, hat sie selbst drei Jahre bei Wall-Street-Primus Goldman Sachs Firmen bei Fusionen und Übernahmen (M&A) betreut. Die zurückliegenden neun Jahre ihres Lebens hat sie dann vier Gruppen von Neueinsteigern ins M&A-Geschäft bei zwei nicht genannten Wall-Street-Häusern dabei beobachtet, wie sie mit den enormen Ansprüchen der Firma, der Kunden und an sich selbst zurechtzukommen versuchten. Die dabei entstandene Studie ist ein ernüchternder Beleg dafür, dass hinter den Stahl- und Glasfassaden von Downtown Manhattan der strahlende, kerngesunde und erfolgreiche Investmentbanker aus den Imagebroschüren der Banken die Ausnahme von der Regel ist.

„60 Prozent der Banker richten sich und ihren Körper nach vier bis sechs Jahren schlicht selbst zugrunde“, so Michel. Mit Alkohol oder Pillen unterdrückte chronische Leiden seien nicht selten. Diese Gruppe sei in „ständigem Krieg“ mit ihrem Körper. „Ich wache manchmal morgens auf, und wenn ich an den Vortag denke, wünschte ich, es wäre alles nur ein böser Alptraum“, zitiert die Studie einen Investmentbanker anonym.

Die Studie beschreibt, wie die Investmentbanken ihre jungen Angestellten systematisch mit kostenlosen Mahlzeiten, Fitnesstudiozugang, Wäscheservice und rund um die Uhr verfügbaren Sekretärinnen praktisch permanent im Dienst halten.

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  • Ich kann Ihnen nur zustimmen. Nach dem Motto: Die Kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen! Daran hat sich immer noch nichts geändert. Schade, dass die Kleinen sich nicht zusammentun und "aufstehen".

  • Sie haben den Punkt ganz richtig erwischt.
    Es gibt zu viele Häuptlinge die zu viel verdienen.
    Die braven Ameisen rackern sich zu Tode. Seit mind.
    15 Jahren kein Inflationsausgleich mehr. Im AT-Bereich
    noch schlimmer.
    Bracco53

  • Eines sollte man wissen. Wer richtigen Unsinn anrichten, Untergebene zu hirnlosen Robotern machen will, braucht sie nur unter Stress zu bringen. Die einfachste Form Stress zu verordnen ist die Arbeitszeitverlängerung. Ausgelaugte Mitarbeiter werden immer ineffizienter und müssen deshalb immer länger arbeiten, um ein vorgegebenes Arbeitsplensum zu erledigen.

    Ausgepowerte Mitarbeiter sind kaum noch reaktionsfähig, sind gefügig. Sie erkennen ihre stetig fallende Belastung- und Arbeitsfähigkeit. Sie werden abhängig und seitens des Vorgesetzten beliebig steuerbar.

    Lange Arbeitszeiten sind damit Teil der Umsetzung eines angestrebten Ziels durch Vorgesetzte. Die höhere Bezahlung, das Bonussystems sind dabei lediglich Tarnwerkzeuge, die ebenfalls beliebig von Vorgesetzten gesteuert werden.

    Die hohe Leistungsbereitschaft, die hohe Leistungsfähigkeit dieser über Gehalt gefügig gemachte Mitarbeiter macht sie in allen Punkten manipulationsfähig. Sie denken nicht mehr, sind allein darauf abgerichtet ihr "vorgegenes Leistungsziel" zu erreichen. Alle Kraft wird darauf ausgerichtet. Evt. Dennoch vorhandenes kritisches Überdenken eigenen Handelns wird durch Übertragung weiterer Aufgaben künftig unterbunden. Die "Leute" "bluten innerlich immer weiter aus".

    Wir kennen die Fälle, sie sind nicht geheim geblieben - wenn auch de Dunkelziffer immens ist.

    Geht's daneben, werden diese "Werkzeuge" meist von den eigenen Vorgesetzten angezeigt, verhaftet, angeklagt und eingesperrt. Es ist bisher nicht bekannt geworden, dass ein einziger Vorgesetzter selbst zur Rechenschaft heran gezogen wurde.

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