Subprime-Krise: Das Kartenhaus der Wackelkredite

Subprime-Krise
Das Kartenhaus der Wackelkredite

Die US-Hypothekenkrise hat rund um den Globus die Finanzwelt erschüttert. Die Milliardenverluste wurden dabei meist mit den eher anonymen Großbanken verbunden als mit Einzelschicksalen. Ein Fall aus Kalifornien illustiert nun, wieso die Blase platzen musste – und was die Betroffenen durchmachen.

Die 27-jährige Naira Costa hat ihren Mann in der evangelischen Glaubensgemeinschaft „Botschaft des Friedens“ in San Francisco kennengelernt. Aber nicht nur ihren Mann hat die 27-jährige Haushälterin der „Botschaft des Friedens“ zu verdanken, sondern auch eine Hypothek über 713 000 Dollar, genauer gesagt ein Subprime-Darlehen – Zwangsversteigerung und Schadensersatzprozess inklusive. Der Fall der Haushälterin bietet einen Blick in die Abgründe des Subprime-Desasters.

Als Costa und ihr Mann Samir Abdelnur, ein Taxifahrer, vor einigen Jahren darüber nachdachten, ein Haus zu kaufen, gab Soario Santos, brasilianischer Landsmann und Diakon der Friedensgemeinde, nicht nur seinen Segen, sondern auch das nötige Geld. Denn als Diakon arbeitete Santos nur abends und am Wochenende. Am Tag ging er weltlichen Geschäften nach – als Kreditvermittler. In dem Büro arbeiteten auch noch andere Kirchendiener, die ihre Schäfchen regelmäßig zum Hauskauf animierten.

Naira Costa erinnert sich noch gut an die Gespräche mit Santos. Schlechte Bonität und geringe Einkommen seien keine Hindernisse gewesen. „Er erzählte uns, dass ein Haus leicht um rund 100 000 Dollar im Jahre an Wert gewinnen würde“, sagt die junge Frau. Dadurch sei der Hauseigentümer in der Lage umzuschulden. „Wir haben ihm vertraut. Jeder in der Kirche hat schließlich Häuser von ihm gekauft.“

Das Vertrauen ist Vorwürfen gewichen. Frau Costa und andere Kirchenmitglieder sind zur Überzeugung gekommen, dass Santos Teil eines brasilianischen Betrügerrings war. Die Masche: Leuten Häuser aufzuschwatzen, die sie sich nicht leisten konnten. Das zweitklassige (subprime) Darlehen Costas belief sich schließlich auf 713 000 Dollar. Ein anderer Fall: Eine brasilianische Babysitterin nahm eine Hypothek über 495 000 Dollar auf. Die Folgen: Zwangsversteigerungen, Schulden und noch schlechtere Bonitätsnoten für die Darlehensnehmer.

Seit langem schon sind nach Angaben von Verbraucherschützern speziell Immigranten Opfer von Kredithaien. Der Boom der Subprime-Darlehen bot eine Fülle neuer Lockangebote. Vor allem Menschen, die hohe Mieten zahlten, bekamen die vermeintlichen Vorteile des leichten Geldes vorgegaukelt.

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