Der Versicherungskonzern Talanx hat sich mit dem Betriebsrat über die Integration der Kölner Gerling-Gruppe geeinigt. Das Industriegeschäft soll am Standort Hannover, die Lebensversicherung am Standort Köln gebündelt werden. Großkunden hätten sich das allerdings genau umgekehrt gewünscht, heißt es in Industriekreisen.
KÖLN. Der Versicherungskonzern Talanx in Hannover hat sich mit dem Betriebsrat am Montag über wesentliche Eckpunkte des Sozialplans für die Mitarbeiter geeinigt. „Damit sind wir bei der Integration der Gerling-Gesellschaften einen bedeutenden Schritt vorangekommen“, sagt Christian Hinsch, Chef des Bereichs Schaden- und Unfallversicherungen im Talanx-Konzern, dem Handelsblatt.
Die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe Talanx integriert derzeit den 2005 gekauften Konkurrenten Gerling in Köln. Die Geschäfte der beiden überlappen sich insbesondere in der Industrieversicherung, wo Gerling und die zu Talanx gehörende HDI-Versicherung fast gleich groß sind. Wegen Anfechtungsklagen von Minderheitsaktionären der Gerling-Konzern Allgemeine Versicherungs-AG (GKA) treten beide Gesellschaften am Markt aber noch getrennt auf. Das verzögert die Integration. Die Zwangsabfindung für die GKA-Aktionäre wird am 18. April vor dem Kölner Landgericht verhandelt.
Die Einigung mit dem Betriebsrat war für die Hannoveraner nicht einfach, weil die Gerling-Leute dort die Mehrheit haben. Doch auch sie stimmten der am Montag gefundenen Lösung zu. „Der Sozialplan liegt im Branchenvergleich im normalen Rahmen“, bestätigt Konzernbetriebsratschef Johannes Funck. „Jetzt können wir endlich mit der Umsetzung beginnen und den Mitarbeitern sagen, wer wohin kommt und zu welchen Bedingungen“, freut sich Hinsch. Die Kosten des Sozialplans liegen zwischen 100 und 200 Millionen Euro. Die Details sollen Ende März feststehen.
Im Zuge der Integration fallen in Deutschland 1 000 Stellen weg. 600 davon seien bereits durch Fluktuation und Altersteilzeit erreicht, sagt Hinsch.
Im Wetteifer um Mandate aus der Wirtschaft waren GKA und HDI früher die schärfsten Gegner. Einige Großkunden sind deshalb nicht begeistert, mit „ihrem Gerling“ eine Alternative verloren zu haben. Hinter verschlossenen Türen sparen sie nicht mit Kritik am Zusammenschluss. HDI-Chef Hinsch ist sich dieser „Nebengeräusche“, wie er es nennt, sehr wohl bewusst. „Die Kunden werden am Ende des Integrationsprozesses hoffentlich froh sein, dass Gerling von einem deutschen Versicherer übernommen worden ist.“ Unter den gegebenen Umständen könnten alle zufrieden sein, glaubt er. „Viele unterschätzen, wie umfangreich und anspruchsvoll so eine Integration ist“, sagt Hinsch. Schließlich handele es sich um einen der größten Zusammenschlüsse in Deutschland. Beide Unternehmen seien komplex und hätten unterschiedliche, starke Kulturen.
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