Target 2 löst Target 1 ab: Die Zentralbanken des Euro-Systems feiern den erfolgreichen Start des neuen Großzahlungssystems, das am Montag den Betrieb aufgenommen hat. Die neue Plattform soll den Zahlungsverkehr unter den 20 teilnehmenden Ländern Europas erheblich vereinfachen – und neuere Initiativen im Bereich der Wertpapierabwicklung voranbringen.
FRANKFURT. „Der erste Betriebstag verlief problemlos. Wir sind sehr zufrieden“, sagte Hans Georg Fabritius, der bei der Bundesbank unter anderem für den Zahlungsverkehr zuständig ist. „Der Start von Target 2 ist ein historisch herausragender Schritt auf dem Weg zu einer integrierten Finanzinfrastruktur in Europa.“ Die im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) vertretenen Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft begrüßten „die schnelle und effiziente Abwicklung von Großbetragszahlungen“, die das neue System ermögliche.
Target 2 wird von einer einheitlichen Plattform betrieben. Sie wurde von einem Zentralbanken-Konsortium, bestehend aus der Banca d’Italia, der Banque de France und der Bundesbank entwickelt, die sie auch betreiben. Target 2 löst Target 1 ab, einen Verbund der teils recht unterschiedlichen sogenannten RTGS-Systeme (Real-time Gross Settlement) der Europäischen Zentralbank (EZB) und der 13 dem Euro-Raum angehörenden nationalen Zentralbanken. Bis zum 16. November stand Target für alle Euro-Überweisungen zwischen Banken aus 17 EU-Mitgliedstaaten – den 13 Euro-Länder plus Dänemark, Estland, Polen und Großbritannien – zur Verfügung. Bei Target 2 kommen Lettland, Litauen, Malta und Zypern hinzu, während Großbritannien nicht mehr teilnimmt.
Target 2 sei weltweit eines der besten Individualzahlungssysteme, erläuterte Fabritius. Zusammen mit dem US-„Fedwire“ der Federal Reserve Bank und dem globalen Devisenabwicklungssystem „Continuous Linked Settlement“ (CLS) gehöre es zu den größten Zahlungssystemen der Welt. Angesichts der beträchtlichen Wachstumsraten geht Fabritius davon aus, dass über Target 2 noch mehr als die in Target 1 verrechneten 350 000 Zahlungen in einem Gesamtwert von 2,4 Bill. Euro im Tagesdurchschnitt abgewickelt werden.
Gertrude Tumpel-Gugerell, die im EZB-Direktorium für den Zahlungsverkehr zuständig ist, hob hervor, dass Target 2 gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Nutzer in Europa schaffe. Es werde maßgeblich zur Harmonisierung und Effizienz der Geschäftspraktiken beitragen und damit auch die Kosteneffizienz bei den Nachhandels-Aktivitäten in Euro fördern. Vor allem aber dürfte Target 2 auch die Grundlage für andere, neuere Initiativen des Euro-Systems im Bereich der Wertpapierabwicklung, Target 2-Securities, und der Sicherheitenverwaltung, CCBM2, sein. Bei CCBM2 geht es um eine neue technische Plattform zur Verwaltung der Wertpapiere, die die Banken als Sicherheiten stellen.
Antonio Finocchiaro, Mitglied des Vorstands der Banca d’Italia, betonte die Krisenfestigkeit von Target 2. Es garantiere einen fortlaufenden Betrieb sowohl bei Störungen als auch in Katastrophenfällen. Nach Angaben von Didier Bruneel, Generaldirektor der Banque de France, waren im Euro-System rund 500 Personen in das Projekt eingebunden.

