0 Bewertungen
26.06.2008 
Unicredit bestätigt massive Stellenstreichungen

Tausende Jobs bei HVB in Gefahr

Die italienische Großbank Unicredit plant in Westeuropa den Abbau von 9 000 Stellen, knapp fünf Prozent ihrer Belegschaft. Das wird wohl auch die deutsche Tochter HVB massiv treffen.

Das HVB-Verwaltungsgebäude. Der Stellenabbau der Mutter Unicredit wird sich für die Münchener auswirken. Foto: apLupe

Das HVB-Verwaltungsgebäude. Der Stellenabbau der Mutter Unicredit wird sich für die Münchener auswirken. Foto: ap

ax/HB MAILAND/MÜNCHEN. Der Stellenabbau sei im Rahmen des strategischen Plans für 2008 bis 2010 vorgesehen, teilte das viertgrößte Geldhaus Europas mit. Die Einschnitte in Italien, Deutschland und Österreich stünden vor allem im Zusammenhang mit der Integration der übernommenen römischen Capitalia-Bank. Auch bei der Münchener HVB sind Handelsblatt-Informationen zufolge 2 000 bis 2 500 Stellen bedroht. In Deutschland und Österreich gebe es noch "Raum für Verbesserungen", sagte Unicredit-Vorstandschef Alessandro Profumo.

Die Arbeitnehmervertreter wollen den zusätzlichen Stellenabbau bei der Hypovereinsbank nicht widerstandslos hinnehmen. "Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen", sagte HVB-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi dem Handelsblatt. Die Personaldecke bei der Bank sei bereits jetzt dünn, die Arbeitsbelastung der Beschäftigten hoch. "Mit jeder Maßnahme, die man jetzt noch draufsetzt, betreibt man Ertragsabbau." Pure Kostenreduzierung sei ein "Akt der Ideenlosigkeit".

Bei der HVB war erst kürzlich angekündigt worden, dass in diesem und im nächsten Jahr 1 800 Arbeitsplätze gestrichen oder ausgegliedert werden sollen. Ein Teil der Stellen wird nach Polen verlagert. In Finanzkreisen wird nun damit gerechnet, dass im Zuge der neuen Unicredit-Sparrunde noch einmal bis zu 2 500 Stellen wegfallen könnten. Wo die Kapazitäten gekürzt werden können, sei völlig offen, sagte ein anderer Aufsichtsrat. "Es wird auch gemunkelt, dass Filialen geschlossen werden könnten."

Die HVB gehört seit 2005 zur Unicredit. Seitdem ist sie radikal umgebaut worden. Die einstige Tochter und Ertragsperle Bank Austria wurde nach Mailand abgegeben, dafür wird die Kompetenz für das Investmentbanking der gesamten Gruppe bei der HVB gebündelt. Mit der Übernahme stieg Unicredit zu einer der größten Banken in Europa auf. Ende 2005 hatte die Münchner HVB rund 27 300 Mitarbeiter, Ende 2007 waren es nur noch 24 800. Für die UniCredit-Gruppe waren zuletzt gut 180 000 Menschen tätig.

Die Finanzkrise hatte die HVB und damit auch die Konzernmutter im ersten Quartal mit voller Wucht erfasst. Kam der Konzern zuvor ohne größere Blessuren davon, rutschte die HVB wegen Belastungen im Investmentbanking in die roten Zahlen. Der Gewinn der Unicredit halbierte sich.

In Osteuropa will die Bank indes weiter expandieren. Dort rechnet Unicredit mit einem rascheren Wirtschaftswachstum als in Westeuropa. Bereits am Dienstag hatte Unicredit die Eröffnung von 1 300 Filialen in Mittel- und Osteuropa angekündigt. In diesem Zusammenhang sollen 11 500 neue Stellen geschaffen werden.

Italiens größte Bank bekräftigte zudem ihren Ausblick für dieses Jahr und gab neue Ziele bis 2010 aus: Demnach soll sich der Gewinn je Aktie 2008 weitgehend unverändert auf 0,52 bis 0,56 Euro belaufen. Bis 2010 soll diese Kennziffer pro Jahr um zehn bis zwölf Prozent zulegen. Zudem soll sich die Ausstattung mit Eigenkapital deutlich verbessern. Nach den jüngsten Zukäufen liegt die Unicredit hier im Vergleich mit anderen europäischen Großbanken weit unter dem Schnitt. Im zweiten Quartal 2008 seien keine weiteren Abschreibungen auf das Portfolio mit verbrieften Wertpapieren (ABS) zu erwarten.

Die Unicredit will sich auch von ihren Beteiligungen an einer Gruppe von drei österreichischen Regionalbanken trennen. Sie prüfe einen Verkauf der "3-Banken-Gruppe", zu der die Bank für Kärnten und Steiermark (BKS), die Bank für Tirol und Vorarlberg und die oberösterreichische Oberbank gehören, teilte die BKS mit. Die Italiener halten die Anteile über ihre Tochter Bank Austria.

An der Börse sind die drei Banken zusammen rund 2,1 Milliarden Euro wert. Profumo sagte, der Verkauf sei nicht vorrangig. Die BKS erwartet eine Veräußerung bis Ende 2008. Sowohl strategische wie auch Finanzinvestoren kämen als Käufer infrage. Auch eine Platzierung an der Börse sei möglich.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Zusammenlegung von Depots bringt Vorteile  Artikel in Merkliste

22.11.2008

Wer seine Bankverbindungen bei einem Anbieter bündelt, fährt bei der Einführung der Abgeltungsteuer besser. Gewinne und Verluste lassen sich so einfacher verrechnen – Anleger müssen sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer sonst vom Fiskus zurückholen. Artikel


Anzeige