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18.09.2008 
Goldener Fallschirm mit Loch

Top-Banker können mit Millionen rechnen

von Matthias Eberle

Gummibaum in der rechten, Bilder von der Familie in der linken Hand: Beim hektischen Verlassen gläserner Bürotürme nach erfolgter Kündigung spielen sich dieser Tage in der Wall Street skurrile Szenen ab. Für einige wird der Abschied vergoldet. Doch ein Umdenken scheint einzusetzen.

Unzählige Banker haben das Angebot des New Yorker Malers Geoffrey Raymond genutzt und das Porträt von Lehman-Chef Richard Fuld mit persönlichen Botschaften versehen - und die fielen alles andere als freundlich aus. Was sie geschrieben haben, lesen Sie, wenn Sie auf die Bildlupe klicken. Foto: apLupe

Unzählige Banker haben das Angebot des New Yorker Malers Geoffrey Raymond genutzt und das Porträt von Lehman-Chef Richard Fuld mit persönlichen Botschaften versehen - und die fielen alles andere als freundlich aus. Was sie geschrieben haben, lesen Sie, wenn Sie auf die Bildlupe klicken. Foto: ap

NEW YORK. Die berufliche Zukunft unsicher und umringt von depressiv gestimmten Leidensgenossen, haben über Nacht Tausende von Wall-Street-Mitarbeitern fast alles verloren. Viele von ihnen mussten binnen weniger Stunden ihre Büros räumen. Zurück bleibt oft nur Frust über diejenigen, denen es deutlich besser ergeht: "Ich hoffe, seine Villa ist sicher", steht etwa auf einem Plakat zu lesen, das der Künstler Geoffrey Raymond vor der Pleitebank Lehman Brothers aufgestellt hat. Es zeigt den Kopf von Vorstandschef Richard Fuld als mannshohe Karikatur.

Dagegen ist John Thain bei der jüngsten Kritik bislang weitgehend außen vor geblieben: Sein Deal, Merrill Lynch für 29 Dollar pro Aktie an die Bank of America zu verscherbeln, wird in diesen traurigen Tagen schon als Erfolg gewertet. Dabei hat die Aktie seit Thains Amtsbeginn 70 Prozent an Wert verloren, und der Manager selbst räumt ein: "Das ist nicht unbedingt das Ergebnis, das ich angestrebt habe."

Die Vergütungsexperten von James F. Reda haben errechnet, dass Thain für den Fall seines wahrscheinlichen Ausstiegs unter dem neuen Eigner Bank of America aus seiner zehnmonatigen Amtszeit bei Merrill Lynch etwa 50 Mill. Dollar zustehen.

In Washington setzt ein Umdenken ein

Derartige Millionenabfindungen haben in den USA eine lange und zweifelhafte Tradition. Mit einer Abfindung von 210 Mill. Dollar hält der frühere Home-Depot-Chef Robert Nardelli, heute oberster Sanierer von Chrysler, noch immer die Rekordmarke in der Disziplin "goldener Handschlag". Und Thains Vorgänger bei Merrill, der gescheiterte Stratege Stanley O?Neill, wurde im Vorjahr mit 162 Mill. Dollar in den Ruhestand geschickt.

Immerhin: Sieht man einmal ab von Thains wahrscheinlicher Millionen-Abfindung, scheint in Washington nun das große Umdenken eingesetzt zu haben. So hat die US-Regierung just den geschassten Vorstandschefs der taumelnden Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac Abfindungen über jeweils 24 Mill. Dollar verweigert. "Es wäre skrupellos, diese aufgeblasenen Zahlungen zu leisten", sagte US-Senator Charles Schumer, nachdem Fannie und Freddie mit Staatsgeldern gerettet werden mussten.

In diesem Umfeld reagieren die ersten Konzerne nun sogar freiwillig. So mussten die Vorstände von Double Eagle Petroleum eine Vereinbarung unterzeichnen, dass ihnen im Falle einer miesen Performance keine Abfindung zusteht. Boardmitglied Sigmund Baraban betonte, der neue Plan entspreche "einem goldenen Fallschirm mit Loch".

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