Totes Kind im TV: Super-Bowl-Clip erzürnt die Zuschauergemeinde

Totes Kind im TV
Super-Bowl-Clip erzürnt die Zuschauergemeinde

Die amerikanische Versicherungsgesellschaft „Nationwide“ hat mit einem Werbevideo für Aufsehen gesorgt: Während des Super Bowl zeigte das Unternehmen einen Spot mit einem toten Kind. Viele Zuschauer reagierten verstört.
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Über 100 Millionen Menschen verfolgten am Wochenende den Super Bowl. Das Finale der US-amerikanischen American-Football-Profiliga NFL vereint Jahr für Jahr die Massen vor den TV-Geräten. Dabei stehen neben dem sportlichen Ereignis die oft spektakulären (und immer spektakulär teuren) Clips im Vordergrund, die in den Werbepausen gezeigt werden.

In den sozialen Netzwerken sorgte in diesem Jahr vor allem ein Video für Aufsehen – und das war ausnahmsweise nicht von Budweiser, Snickers oder T-Mobile ins Rennen geschickt worden.

Unter dem Motto „Make Safe Happen!“ präsentierte die amerikanische Versicherungsgesellschaft „Nationwide“ einen 50 Sekunden langen Clip, der unter die Haut geht: Zu sehen ist ein kleiner Junge, der erzählt, was er alles nicht erleben wird, zum Beispiel Fahrrad fahren oder heiraten. Alles ganz süß und harmlos – bis dem Zuschauer plötzlich bewusst wird, dass der Junge einen Unfall hatte und gestorben ist.

Mit dem Clip will „Nationwide“ auf die Gefahren aufmerksam machen, denen Kindern im Haushalt ausgesetzt sind: Eine mit Wasser randvoll gefüllte Badewanne könne ebenso zur tödlichen Falle werden wie ein riesiges TV-Gerät, das keinen sicheren Stand habe, appelliert „Nationwide“ im Film. Man wolle Eltern sensibilisieren und die Welt für Kinder sicherer machen.

Ein an sich wohl ehrbares Vorhaben – aber der Spot kam in den sozialen Netzwerken überhaupt nicht gut an. Super Bowl ist vor allem Spaß und Party – nicht Tod und Teufel. Bei Twitter beschwerten sich deswegen viele Nutzer über den „total deprimierenden“ Clip und zogen das Video durch den Kakao.

Der Auswertung einer Digitalen Marketing-Agentur zufolge hatten 64 Prozent aller Erwähnungen des Films im Social Web einen negativen Ton, nur zwölf Prozent waren positiv. Vielfach wurde kritisiert, dass auch die beste Versicherung nicht vor einem Unfall schützen könne.

Tatsächlich starb laut „Consumer Reports“ im Jahr 2012 alle drei Wochen ein Kind in den USA, weil es unter einem Mega-Fernsehgerät begraben wurde. Nur ein Viertel der Erwachsenen würden dafür Sorgen tragen, dass der Bildschirm so befestigt sei, dass dieser nicht umfallen und ein kleines Kind verletzen könne.

Genau deswegen habe man den Spot zur besten Sendezeit gebracht, rechtfertigte sich „Nationwide“ in einer Erklärung. Die meisten Amerikaner wüssten nicht, wie gefährlich Kinder im eigenen Haushalt lebten. „Wir wollen auf die Gefahren aufmerksam machen und eine Debatte starten, keine Versicherungen verkaufen.“

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

Kommentare zu " Totes Kind im TV: Super-Bowl-Clip erzürnt die Zuschauergemeinde"

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  • @real. Bleiben Sie beim Thema statt von Pegida zu raunen.

  • Die Reaktionen auf den gutgemeinten Werbespot zeigen doch, dass die Menschen für die Realität gar nicht empfänglich sein wollen.

    Die Versicherung wird niedergeschrien, wie bei uns pauschal Menschen niedergeschrien werden, die friedlich auf der Straße auf etwas aufmerksam machen wollen, was ebenso existent und eine tägliche Bedrohung für uns ist.

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