Die angestrebten Fusionen und Beteiligungen in der deutschen Kreditwirtschaft werden durch die dramatische Zuspitzung der Finanzkrise nicht gestoppt. Der jüngste Coup der Deutschen Bank, sich eine Beteiligung an der Postbank zu sichern mit Aussicht auf eine spätere Komplettübernahme, sehen die meisten Analysten nicht in Gefahr.
ali/bas/hgn/pk FRANKFURT. „Spätestens jetzt zeigt sich, dass es für die Deutsche Bank sinnvoll war, nur eine Beteiligung an der Postbank einzugehen", sagte Sal.-Oppenheim-Analyst Carsten Werle. Für eine Kapitalerhöhung sei das Umfeld derzeit zwar sicherlich alles andere als ideal. „Aber die Deutsche Bank sehe ich nicht unter akutem Druck in den kommenden Wochen zu handeln“, ergänzte er.
Die Deutsche Bank hat eine Kapitalerhöhung von bis zu zwei Mrd. Euro angekündigt, damit ihre Kapitalausstattung durch den Deal nicht schlechter wird. „Die Kapitalerhöhung wird mit Sicherheit schwieriger, aber die Deutsche hat noch drei Monate Zeit, um die Entwicklung an den Märkten abzuschätzen“, erläuterte ein Analyst. Vielleicht sei der gestrige Tag auch ein Wendepunkt, dem wieder bessere Zeiten folgen. „Das sieht nach Kapitulation aus, jetzt könnte es eigentlich nur noch aufwärts gehen“, sagte ein Investmentbanker.
Insgesamt werde Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an seinem Fahrplan bei der Postbank unter allen Umständen festhalten. „Strategisch ist der Deal zu wertvoll, als das er an einer Kapitalmaßnahme scheitern könnte“, meinte eine Finanzexpertin. Zur Not könne die Deutsche die Transaktion auch aus eigener Kraft stemmen. Die Deutsche Bank will den Kauf von knapp 30 Prozent der Postbank im ersten Quartal 2009 vollziehen.
Auch die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank wird nicht zurückgedreht. In Finanzkreisen hieß es, der Deal sei durch die Krise nicht gefährdet. Denn die Kapitalerhöhung sei bereits vollzogen. Zwar stehe das endgültige Wertverhältnis der Fusion noch nicht fest. De facto reagierten die Bewertungen beider Banken aber ähnlich, so dass sich das relative Verhältnis kaum verändern dürfte. Auch der Deutschlandchef von Lone Star, Karsten von Köller, sagte, die aktuellen Turbulenzen am Finanzmarkt hätten keinerlei Auswirkungen auf die geplante Übernahme der Mittelstandsbank IKB.
Ruhig scheint auch die Lage bei den Kreditgenossen vom Credit Mutuel zu sein. In informierten Finanzkreisen hieß es, an der geplanten Übernahme der deutschen Citibank bestehe auch vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen kein Zweifel. Beobachter verwiesen darauf, dass Credit Mutuel de facto nicht aktiv im Investmentbanking ist und keine Probleme habe, die Citi-Übernahme aus den Eigenmitteln der Gruppe zu stemmen. Die Gruppe hat eine Eigenkapitalquote (Tier One) von rund neun Prozent.
Für die französische Investmentbank Natixis kommt die Lehman-Pleite dagegen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn am Donnerstag will das Tochterinstitut der genossenschaftlichen Gruppen Caisse d'Epargne und Banque Populaire das Orderbuch für die Kapitalerhöhung von 3,7 Mrd. Euro schließen. „Das hilft uns überhaupt nicht, bis dato war das Echo von den Roadshows positiv“, hieß es aus Natixis-Kreisen. Zu 70 Prozent wollen die beiden Großaktionäre gemäß ihres Altanteils die neuen Aktien zeichnen. Die ausstehenden 30 Prozent soll ein Bank-Konsortium aus Lazard, Credit Suisse - und Merrill Lynch garantieren. „Derzeit haben wir keine Informationen darüber, dass der geplante Verkauf von Merrill Lynch etwas an den gegebenen Zusagen ändert", heißt es in Bankenkreisen weiter.

