Trotz Finanzkrise: Griechische Banken florieren

Trotz Finanzkrise
Griechische Banken florieren

Die großen griechischen Geldinstitute ließen sich 2007 weder von Waldbränden noch Finanzkrise beeindrucken. Banken wie die National Bank of Greece stärkten ihr Auslandsgeschäft und steigerten die Gewinne. Die Aussichten sind dabei weiter blendend.

ATHEN. Die Mehrzahl der griechischen Banken hat ein glänzendes Jahr hinter sich, und in den Chefetagen der Athener Institute erwartet man 2008 weiter steigende Gewinne. Vor allem das wachsende Auslandsgeschäft soll in den nächsten Jahren zum Gewinnwachstum beitragen.

Die Gewinne der fünf großen griechischen Banken, auf die zwei Drittel der gesamten Aktiva entfallen, lagen in den ersten neun Monaten 2007 im Rahmen der Analystenschätzungen oder sogar darüber. Die Kreditkrise ging an der Branche weitgehend spurlos vorüber. Mit Ausnahme der staatlich kontrollierten Postsparkasse hat keines der Institute in Subprime-Produkte investiert. Von den gestiegenen Kapitalkosten am Interbank-Markt sind die griechischen Institute zwar wie alle anderen Finanzdienstleister betroffen. Liquiditätsprobleme haben sie aber nicht, da die Relation von Einlagen und Krediten im Branchendurchschnitt bei annähernd 100 Prozent liegt.

Griechische Bankaktien schlugen sich deshalb 2007 deutlich besser als die meisten Finanztitel in Europa und den USA; der Athener FTSE-Bankenindex legte um 17,6 Prozent zu. Die Titel des Branchenführers National Bank of Greece (NBG) stiegen im Jahresverlauf sogar um 34,5 Prozent. Das Papier ist bei ausländischen Investoren besonders beliebt, sie halten 56 Prozent an dem Institut. Analysten zufolge dürfte die NBG 2008 und 2009 Gewinnsteigerungen von jeweils rund 20 Prozent erwirtschaften. Griechenlands Bankenmarkt bietet noch einiges Potenzial: Die Summe der privaten Kredite betrug 2007 knapp 90 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber fast 180 Prozent im Durchschnitt der Euro-Zone. Das Wachstum der Hypothekendarlehen lag im September 2007 mit 22,3 Prozent beim Dreifachen des Durchschnitts der Euro-Zone, der Zuwachs bei den Verbraucherkrediten war mit 21 Prozent sogar fünfmal höher.

Doch der zunehmende Wettbewerb schmälert die früher üppigen Margen. Der Spread zwischen Kredit- und Guthabenzinsen, der noch 2003 in Griechenland mit 4,45 Prozent weit über dem Durchschnitt der Euro-Zone von 2,77 Prozent lag, hat sich 2007 mit 3,41 dem Euro-Niveau von 3,05 Prozent angenähert. Auch deshalb ist den fünf großen griechischen Banken der Heimatmarkt mit seinen knapp elf Millionen Einwohnern längst zu klein geworden. Sie investierten in den vergangenen Jahren in den Aufbau eigener Filialnetze oder Übernahmen anderer Institute im Ausland.

Nachdem sich die Expansion anfangs auf die Nachbarländer der Balkanregion beschränkt hat, sind griechische Banken inzwischen in einer Region präsent, die von Russland, Polen und der Ukraine im Norden über die Türkei im Osten bis nach Ägypten im Süden reicht und eine Bevölkerung von rund 450 Millionen umfasst. Die Banken haben in diesen Ländern ein Netz von rund 4 000 Geschäftsstellen aufgebaut.

Das Auslandsgeschäft trägt inzwischen überproportional zum Wachstum bei. So erzielte der Branchenzweite, die EFG Eurobank, 2007 im Ausland ein Kreditwachstum von 160 Prozent. In diesem Jahr will das Institut erstmals im Ausland mehr Kredite vergeben als auf dem heimischen Markt. Die EFG Eurobank erzielte im dritten Quartal 2007 knapp zehn Prozent ihres Gewinns im Ausland. Bei der Alpha Bank und der Piraeus Bank, Nummer drei und vier der Branche, waren es jeweils 13 Prozent.

Vor allem in der Bilanz des Branchenführers NBG spielen die Auslandsengagements eine immer größere Rolle. Eine glückliche Hand bewies das Institut 2006 mit der Übernahme der türkischen Finansbank. Die 5,5 Mrd. Euro schwere Investition zahlt sich bereits aus: In den ersten neun Monaten 2007 erwirtschaftete die türkische Tochter 349 Mill. Gewinn. Die Finansbank fährt einen aggressiven Expansionskurs, seit die NBG-Banker das Steuer übernommen haben: 2007 eröffnete das Institut 70 neue Zweigstellen, 2008 soll die Zahl von 400 auf 485 wachsen. 1 100 neue Mitarbeiter werden eingestellt. Der Marktanteil bei den Krediten soll von jetzt 5,6 bis Jahresende auf 6,9 Prozent steigen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%