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27.03.2008 
Angeschlagene Mittelstandsbank

Tumulte auf der IKB-Hauptversammlung

von Rolf Benders und Christian Panster

In einer turbulenten Hauptversammlung haben Aktionärsvertreter den Aufsichtsrat der Deutschen Industriebank IKB heftig kritisiert. Aufsichtsratschef Hartmann musste sich laute Buh-Rufe gefallen lassen, weil er die Redezeit der Kleinaktionäre beschränkt hatte.

Der Vorstandvorsitzende der IKB, Günther Bräunig (l), und Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann stehen in der Kritik. Foto: dpaLupe

Der Vorstandvorsitzende der IKB, Günther Bräunig (l), und Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann stehen in der Kritik. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Besonders laut wurde es im Saal des Düsseldorfer Congress Centers, als der Aufsichtsratsvorsitzende der IKB, Ulrich Hartmann, dem Würzburger BWL-Professor Ekkehart Wenger das Wort entzieht. Drei Minuten hatte der berüchtigte Hauptversammlungsbesucher, um die die Beinahe-Pleite der IKB als Komplott auf höchster politischer Ebene aufzudecken. Zuvor hatte Hartmann die Redezeit von zehn auf zwischenzeitlich fünf und dann drei Minuten beschränkt. Die Aktionäre im Saal reagierten mit "Hartmann-raus"-Rufen. Bereits wenige Minuten zuvor hatte ein Kleinaktionär den selbst für Krisenversammlungen ungewöhnlichen Antrag gestellt, den Versammlungsleitenden Hartmann abzuwählen, war damit aber gescheitert.

Aufsichtsratschef Hartmann hatte in seiner Eingangsrede nicht nur vorgeschlagen, die Entlastung des Vorstandes zu vertagen, sondern auch die des Aufsichtsrates. Bis dahin solle eine Sonderprüfung klären, wer für das finanzielle Desaster der IKB durch risikoreiche Investments auf dem US-Hypothekenmarkt verantwortlich ist. Der Aufsichtsrat reagierte damit auf die wachsende Kritik der vergangenen Wochen, nicht eher auf den Vorstand eingewirkt zu haben und so das finanzielle Desaster der Bank möglicherweise hätte abwenden können.

Die IKB war die erste Bank in Deutschland, die im Juli vergangenen Jahres in den Sog der Hypothekenkrise geraten war. Die Bank hatte sich mit ihren Engagements schwer verspekuliert. Mit ihren Zweckgesellschaften Rhineland Funding und Rhinebridge hatte die IKB umfangreiche außerbilanzielle Risiken aufgebaut. Nur durch mehrere Rettungspakete von KfW und anderer Banken wurde die IKB vor der Pleite gerettet.

Aufsichtsratschef Hartmann machte abermals deutlich, dass die alleinige Schuld bei der mittlerweile geschassten Vorstandsriege liege. Die habe den Aufsichtsrat zu spät und nur unzureichend über die Risiken und Probleme der Bank informiert. Aktionärsvertreter und Kleinaktionäre attackierten den Aufsichtsrat in ersten Wortbeiträgen heftig. Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nannte die IKB eine Amateur-Truppe aus der Provinz, die versucht habe Champions League zu spielen und dabei ordentlich abgewatscht wurde. An Aufsichtsratschef Hartmann gewandt sagte der Aktionärsvertreter, es bedürfe einer gewissen Qualifikation, die richtigen Fragen zu stellen. Der Aufsichtsrat habe in seiner Funktion versagt.

Für großen Unmut bei den Aktionären sorgte die Beschränkung der Redezeit auf zunächst zehn Minuten. „Wenn Sie den Vorstand nur halb so gut kontrolliert hätten wie die Einhaltung der Redezeit, dann wäre das Desaster nie passiert“, sagte eine Aktionärin unter lautem Beifall im vollständig besetzten Congress Center in Düsseldorf. Wenig später wurde die Redezeit auf drei Minuten reduziert. Hartmann ermahnte die Aktionäre, man müsse gut vorankommen, um die für die IKB lebensnotwendige Kapitalerhöhung zu beschließen.

IKB-Chef Günther Bräunig kündigte an, die Bank werde nach dem Scheitern des Gesamtverkaufs eines risikoreichen Wertpapierportfolios vor einer Woche, diese Titel tranchenweise über den Markt verkaufen. So soll der Verkauf der Kernbank, der mit diesem rund drei Mrd. Euro schweren Portfolio als unmöglich gilt, doch noch realisiert werden. Den Bietern für die Kernbank sei für eine Analyse der Bank (Due Diligence) der Datenraum vergangene Woche geöffnet worden. Im April werde der Vorstand den Interessenten in Präsentationen die Bank noch einmal vorstellen.

Beim Neugeschäft habe man in den ersten elf Monaten des schwierigen Geschäftsjahres 2007/08 das Niveau des Geschäftsjahres 2005/06 erreicht. Daher sei er überzeugt, dass die Bank für Bieter eine attraktive Plattform sei. Dazu sei allerdings die beantragte Kapitalerhöhung um 1,5 Mrd. Euro dringend nötig, warb er um die Zustimmung der Aktionäre. Er dämpfte aber Hoffnungen, die Bank stehe dann vor einer schnellen Erholung. Nach einem Minus von 800 Mill. Euro in diesem Geschäftsjahr werde die Bank mit einem „niedrigen Ertragsniveau“ leben müssen. Dividendenzahlungen seien daher auf absehbare Zeit nicht zu rechnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hintergrund: Chronologie eines Absturzes

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