Die Schweizer Großbank UBS kommt nicht zur Ruhe: Am Wochenbeginn hatte die UBS durch ihre Ankündigung, 4,1 Mrd. Franken im dritten Quartal abschreiben zu müssen, ein Beben ausgelöst. Offen ist weiterhin, warum die UBS erst im dritten Quartal über ihre Milliardenverluste informierte – derweil bleibt Verwaltungsratspräsident Ospel in Deckung.
ZÜRICH. Zwar hat der Aktienkurs zugelegt, weil Befürchtungen über mögliche Verluste nun der Klarheit über tatsächliche Verluste gewichen sind, aber dennoch bleiben Fragen offen. Warum zum Beispiel informierte die Bank erst nach dem Ende des dritten Quartals über ihre Milliardenverluste? Und: Wo steckt eigentlich Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel?
Laut Börsenvorschrift hätte die UBS Anleger sofort unterrichten müssen, wenn sie „Tatsachen“ erfährt, die den Aktienkurs beeinträchtigen. Diese Tatsachen, die in mangelndem Risikomanagement und ausufernden Kosten im Investmentbereich lagen, dürfte die Bank zumindest seit Anfang Juli, als der bis dahin amtierende Konzernchef Peter Wuffli überraschend seinen Hut nahm, geahnt haben. Dennoch orakelte Wufflis Nachfolger Marcel Rohner bei der Präsentation der Halbjahreszahlen im August noch herum und sprach von einem anspruchsvollen Umfeld, das das Ergebnis möglicherweise verhageln könnte. Von Seiten der UBS wird dies heute als Gewinnwarnung interpretiert. Bei der Schweizer Börse SWX dürfte man das nicht ganz so eindeutig sehen und sich den Vorgang im Zweifelsfall näher anschauen. Eine offizielle Untersuchung sei allerdings noch nicht im Gang, sagte ein Sprecher.
Bei der Frage nach der Rolle Ospels wird von Seiten der UBS darauf hingewiesen, dass sich der Verwaltungsratspräsident zu strategischen Fragen äußere, worum es im Fall der Milliardenbelastung aber nicht gehe. Dagegen spricht, dass sich Ospel stets einmischt, wenn es ihm wichtig ist. „Der Verwaltungsrat trägt eine unternehmerische Verantwortung“, sagte er in einem Interview mit der UBS-Mitarbeiterzeitschrift, das vor dem Eingeständnis des Milliardenverlusts geführt worden war. Möglich ist deswegen viel mehr, dass Ospel sich bedeckt hält, um nicht selbst in die Schusslinie zu geraten – so wie sein Vorgänger vor neun Jahren. Damals hatte die UBS zum letzten Mal einen Quartalsverlust verzeichnet, weil sie ihr Engagement im Hedge- Fonds LTCM abschreiben musste. Die schlechten Zahlen kosteten dem damaligen Verwaltungsratspräsidenten Mathis Cabiallavetta den Job.
Statt des Präsidenten hat es diesmal mit Clife Standish den Finanzchef und mit Huw Jenkins den Leiter der Investmentbank getroffen. Dass Rohner Jenkins vorübergehend selbst ersetzt, dürfte ein Signal an die Investmentbanker sein: Ihr Bereich steht nicht zur Disposition, auch wenn er für die Schwierigkeiten der ansonsten erfolgreichen Bank verantwortlich ist.

