Die Finanzkrise verhagelt der UBS
weiterhin das Geschäft. Die Großbank hat im ersten Quartal wie angekündigt nach Abschreibungen auf Investments im amerikanischen Hypothekenmarkt einen Verlust von 7,074 Milliarden Euro eingefahren und Konsequenzen angekündigt. Auf eine Prognose ließ sich UBS
-Chef Marcel Rohner nicht festnageln. Aktionäre strafen die Titel des Geldhauses ab.
oli/HB ZÜRICH. Die unter hohen Abschreibungen auf ihre Subprime-Anlagen leidende Schweizer Großbank UBS
streicht bis Mitte 2009 konzernweit rund 5500 ihrer derzeit rund 83 500 Stellen. In der Investment Bank, wo UBS
hohe Verluste einfährt, verlieren bis Jahresende 2600 Leute vorwiegend in den USA und in Großbritannien ihre Stellen. Der restliche Abbau, der sich je zur Hälfte auf die Schweiz und das Ausland verteilen wird, soll überwiegend im Zuge der Fluktuation erfolgen, wie UBS
-Chef Marcel Rohner am Dienstag bei der Vorlage des Quartalsabschlusses sagte.
Im ersten Quartal war die UBS
neben den hausgemachten Problemen auch mit sich abschwächenden Märkten konfrontiert. Wie angekündigt kam die Bank nach Abschreibungen auf Investments im amerikanischen Hypothekenmarkt von rund 19 Mrd. Dollar unter dem Strich auf ein Verlust von 11,54 Mrd. Franken (7,1 Mrd. Euro). UBS
hatte rund zwölf Mrd. Franken Quartalsverlust in Aussicht gestellt. In den meisten Geschäftsbereichen habe sich die Ertragslage zufriedenstellend entwickelt, erklärte die Bank.
Reiche Kunden wenden sich ab
Nicht zufrieden zeigte sich CEO Rohner allerdings mit dem Zufluss an neuem Geld in der Vermögensverwaltung für reiche Kunden. Die netto beschafften 5,6 Mrd. Franken sind deutlich weniger als in früheren Quartalen. Das Global Asset Management, wo etwa Fonds betreut werden, verlor netto 16,5 Mrd. Franken. Die Bank spüre die Krise, hieß es dazu im Aktienmarkt. Im Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft sind 1,9 Mrd. Franken abgeflossen. Analysten hatten mit neun Mrd. Franken Neugeld in der Vermögensverwaltung gerechnet.
UBS
rechnet weiterhin mit schwierigen Bedingungen für die Finanzindustrie. Es sei mit einem anhaltend ungünstigen Weltwirtschaftsklima, Abbau der Fremdfinanzierung durch private und institutionelle Anleger, einem langsameren Vermögenswachstum sowie rückläufigen Handels- und Kapitalmarktvolumen zu rechnen, hieß es. Rohner bestätigte, dass es ein Grundsatzabkommen mit der US-Fondsgesellschaft BlackRock gebe. Die Gesellschaft will UBS
Hypothekenverbriefungen im Wert von 15 Mrd. Dollar abkaufen. Das zeige, dass der Markt langsam wieder in Bewegung komme, sagte Rohner weiter.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: UBS
- die am stärksten von der Finanzkrise betroffene Bank Europas
UBS
gilt als die in Europa am stärksten von der US-Kreditkrise betroffene Bank. Bislang musste die größte Schweizer Bank mehr als 37 Mrd. Dollar abschreiben. Um die Verluste auszugleichen und erhöhte die Bank das Kapital in zwei Schritten um 13 Mrd. und um 15 Mrd. Franken. UBS
habe die Krise bisher aus eigener Kraft gemeistert, sagte Rohner. Das werde auch in Zukunft so sein und eine weitere Kapitalerhöhung sei nicht zu erwarten.
Analysten rechnen damit, dass die Bank das ganze Jahr mit einem Verlust von mehr als fünf Mrd. Franken abschließen wird nach 4,4 Mrd. Franken Fehlbetrag für 2007. Rohner selbst wollte keine Prognose für dieses oder das kommende Jahr abgeben.
Anleger reagierten negativ auf die Mittleilungen: Die Aktie verlor im deutschen Handel mehr als fünf Prozent und notierte am Vormittag bei 21,63 Euro.
Geldhaus vor Strategiewechsel
Die UBS
hatte sich in den vergangenen Jahren stets als "integrierte Bank" angepriesen, die die Sparten Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie die Investmentbank unter einem Dach vereinigte. "In der Überhöhung der Einheit lag ein Problem", hat Rohner kürzlich erkannt. Künftig sollten "alle Einzelteile ohne fremde Hilfe funktionieren". Kritiker wie etwa der in der Schweiz populäre Privatbankier Konrad Hummler hatten immer wieder die Konzentration der Großbank aufs Vermögensverwaltungsgeschäft gefordert. Rohner geht nun zumindest ein Stück weit in diese Richtung.
Neben einer Verkleinerung der Investmentbank hat Rohner weitere Änderungen angekündigt. "Ein Mangel an Einfachheit und kritischer Distanz hat verhindert, frühzeitig genug die richtigen Fragen zustellen", sagte der Konzernchef. Die UBS
löst dieses Problem, indem sie bei der Risikobeurteilung die Zuständigkeiten klarer verteilt. Das sogenannte "Chairmans Office", das zwischen Verwaltungsrat und Konzernleitung mitmischte und das aus den bei der UBS
angestellten Mitgliedern des Verwaltungsrats bestand, wird abgeschafft. Stattdessen wird ein Risikoausschuss eingesetzt, der nur aus unabhängigen Mitgliedern des Kontrollgremiums besteht.

