Den deutschen Unternehmen steht auch 2007 ein fusionsreiches Jahr bevor. Die Zahl der M&A-Transaktionen in den ersten neun Monaten des Jahres 2006 deutet auf eine weiterhin dynamische Entwicklung des deutschen M&A-Marktes hin. Das freut die Beraterzunft.
FRANKFURT. "Die Zahl der M&A-Transaktionen in den ersten neun Monaten des Jahres 2006 deutet auf eine weiterhin dynamische Entwicklung des deutschen M&A-Marktes hin", sagt Andreas Dietzel, Partner und Leiter des Bereichs Corporate bei der Anwaltssozietät Clifford Chance.
Er steht mit dieser Einschätzung nicht alleine. "Auch 2007 wird ein sehr starkes Jahr werden, getrieben von weiter niedrigen Zinsen, den Wachstumsplänen vieler Unternehmen und der höheren Bereitschaft, komplexe und auch feindliche Übernahmen anzugehen", bestätigt Thomas Knipp, der Deutschlandchef des Kommunikationsberaters Brunswick. "Grund dafür ist auch die unverändert ausgeprägte Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen", ergänzt Dietzel.
Nach Berechnungen des Datenbank-Anbieters Mergermarket wurden in Europa im dritten Quartal Transaktionen im Wert von 186,4 Mrd. Euro angekündigt. Das ist gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zwar ein Rückgang um 24 Prozent. Allerdings können die Statistiken schnell durch nur einen Megadeal verzerrt werden. Experten sprechen nach wie von einer sehr hohen "Übernahme-Aktivität".
Das freut die Beraterzunft. Unter den Rechtsanwälten hat sich in den ersten neun Monaten laut Mergermarket Freshfields Bruckhaus Deringer an die Spitze gearbeitet. Ein Jahr zuvor hatte dort noch Linklaters gestanden. Freshfields hat unter anderem Altana
beim Verkauf der Pharmasparte an Nycomed beraten.
In Deutschland hat sich ein alter Bekannter an die Spitze des Rankings geschoben. Hengeler Mueller, die führende unabhängige Sozietät hier zu Lande, hat sich von Platz vier auf Rang eins verbessert. Dabei dürften so prominente Mandate wie Eon (Übernahme von Endesa)
oder Schering
(Übernahme durch Bayer)
geholfen haben. Angesichts solcher Aufträge gibt sich Rainer Krause, Partner von Hengeler Mueller, zuversichtlich. "Die strategischen Investoren sind wieder da, aber auch die Finanzinvestoren bleiben sehr wichtig und sind sehr stark." Hinzu kämen attraktive "Deals" auf dem Immobilienmarkt.
Zusätzliche Chancen eröffnen sich nach Ansicht von Dietzel jenseits der Grenze: "Durch die Öffnung der asiatischen und osteuropäischen M&A-Märkte werden sich dort zunehmend Möglichkeiten für Transaktionen ergeben. Umgekehrt erwarten wir immer mehr Interesse aus diesen aufstrebenden Volkswirtschaften an europäischen Zielunternehmen."
Einen weiteren Trend haben die Kommunikationsberater aufgetan. "Wir erwarten deutlich mehr feindliche Übernahmen in Deutschland, sowohl von Unternehmen als auch von Finanzinvestoren", sagt Knipp von Brunswick. Die Firma hat sich nach neun Monaten sowohl in den europäischen als auch den deutschen Ranglisten vom zweiten auf den ersten Platz vorgeschoben. Brunswick war unter anderem für Schering
aktiv, als es um die Übernahme durch Bayer
ging. Auffällig ist der steile Aufstieg der Finsbury Group im deutschen Ranking. Das liegt allerdings am Beratungsmandat in der Übernahmeschlacht um Endesa
.

