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20.09.2007 
Private-Equity-Branche

Übernahme-Markt bricht ein

von Peter Köhler und Robert Landgraf

Die erfolgsverwöhnte Private-Equity-Branche wird von der Krise an den Finanzmärkten mit voller Wucht getroffen. Nach ersten offiziellen Zahlen ist das Geschäft der Beteiligungsgesellschaften in den Monaten August und September nahezu zum Erliegen gekommen – fehlende Kreditfinanzierungen lassen das Geschäft der Beteiligungsfonds austrocknen.

FRANKFURT. Nach Angaben des Informationsdienstleisters Thomson Financial fiel das weltweite Transaktionsvolumen im August auf nur noch gut zehn Mrd. Dollar zurück. Zum Vergleich: Im bisherigen Spitzenmonat Mai waren es noch knapp 150 Mrd. Dollar gewesen. Für die nächste Zeit rechnen Beobachter mit weiteren Rückgängen.

„Im August hatten wir eine Vollbremsung“, sagt Stefan Hepp, Vorstandsvorsitzender der Beratungsgesellschaft SCM Strategic Capital Management. Und die meisten Beobachter sind sich einig, dass es keine schnelle Marktberuhigung geben wird. „In sechs bis acht Monaten wird es zu einer Erholung kommen; dann werden wir wieder mit einem normalen Tempo weitermachen. Die Übertreibungen der Vergangenheit sind aber passé. Auch die Megafonds werden 2008 keine neuen Rekorde vermelden“, prognostiziert Hepp, der institutionelle Investoren berät.

In den vergangenen Jahren war der Beteiligungsmarkt von einem Rekord zum nächsten geeilt. Wichtigster Wachstumstreiber waren die billigen Kredite für die Übernahmefinanzierungen. Bei „Leveraged Buy-outs“ setzen die Finanzinvestoren nur rund 30 Prozent Eigenkapital ein, den Rest steuern die Banken mit Fremdfinanzierungen bei. Vor der Finanzkrise hatten die Private-Equity-Häuser über die Jahre immer weniger Eigenkapital eingesetzt. Parallel dazu wurden die Kreditkonditionen immer laxer. Da die Banken die Kreditrisiken derzeit nicht mehr an den Kapitalmärkten platzieren und somit weiterreichen können, ist das Geschäft am Beteiligungsmarkt vor allem bei den Mega-Deals zusammengebrochen. „In Deutschland sind derzeit keine großen Deals in der Pipeline“, bestätigt Dörte Höppner, Geschäftsführerin beim Branchenverband BVK. Allerdings spüre man bei Deals im Mittelstand keine Verschlechterung.

Insgesamt durchläuft der Beteiligungsmarkt derzeit große Verwerfungen, weil die Milliarden-Deals, die die Branche ganz wesentlich dominiert haben, ausbleiben. Betroffen von der Kreditkrise sind nicht nur die Beteiligungsfonds, sondern auch die übernommenen Unternehmen. So senkte etwa Standard & Poor’s vor wenigen Tagen den Ausblick für das Rating der Werkstattkette ATU von „stabil“ auf „negativ“. Als Grund nannten die Analysten den hohen Schuldenberg von ATU, der dem Unternehmen vom Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co aufgebürdet worden war. Außerdem dürfte die Zeit der schnellen Gewinne vorbei sein, weil die Preise für die übernommenen Unternehmen nach Einschätzung von Branchenkennern um zehn bis 15 Prozent sinken werden. „Die Bewertung von Unternehmen pendelt sich wieder auf ein Normalmaß ein“, sagt Malcolm Thwaites, Co-Chef der Investmentbank Lazard in Deutschland.

Auch die Zahl der Übernahmen von börsennotierten Gesellschaften dürfte stark zurückgehen. In dieser Woche warf beispielsweise Candover beim Flugzeugteile-Hersteller Stork das Handtuch. „Bei den Public-to-Private-Transaktionen wird sich das Volumen mehr als halbieren“, meint SCM-Chef Hepp.

Allerdings gibt es auch Chancen. So werden derzeit etwa 30 Mrd. Dollar bei Investoren eingesammelt, um über den Aufkauf notleidender Darlehen sowie die Sanierung der Firmen zu profitieren. „Es kommen neue Produkte auf den Markt, für die es eine wachsende Nachfrage gibt“, sagt Urs Wietlisbach von der schweizerischen Partners Group.

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