Umfrage: Rekordboni an der Wall Street erwartet

Umfrage
Rekordboni an der Wall Street erwartet

144 Mrd. Dollar werden die 35 führenden Firmen des New Yorker Finanzzentrums in diesem Jahr an ihre Mitarbeiter auszahlen, so eine Umfrage des „Wall Street Journal“. Das wären vier Prozent mehr als im Jahr zuvor – ein neuer Rekordwert.
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NEW YORK. Die Vergütung von Wall-Street-Bankern könnte in diesem Jahr neue Rekordhöhen erreichen. Die 35 führenden Firmen des New Yorker Finanzzentrums werden wohl rund 144 Mrd. Dollar an Grundgehalt, Boni und Sozialleistungen auszahlen – das wären vier Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus einer Analyse des „Wall Street Journal“ hervorgeht. Betrachtet wurden börsennotierte Banken, Investmentbanken, Hedge-Fonds, Vermögensverwalter und Börsen. 26 der 35 befragten Firmen gaben an, ihre Vergütung in diesem Jahr anheben zu wollen. Das Verhältnis von Vergütung zu Umsatz bleibt mit 32,2 Prozent auf demselben Niveau wie im Vorjahr.

Vergütungsexperten kritisieren die Pläne. „Es ist ein Zeichen dafür, dass sich nicht viel verändert hat“, sagt Eleanor Bloxham, Chefin der Beratung Corporate Governance Alliance. US-Präsident Barack Obama hatte die Wall Street für ihre „maßlose“ Boni-Kultur scharf angegriffen. Doch der Druck aus Washington habe lediglich dazu geführt, dass sich die Struktur der Auszahlungen geändert hat, nicht aber die Höhe, so Bloxham. Mehrere Firmen, darunter auch das profitabelste Wall-Street-Haus Goldman Sachs, haben für 2009 einen wesentlich größeren Teil in Aktien statt in bar ausgezahlt. „Der Trend könnte sich fortsetzen“, sagt die Expertin. Boni machen den Großteil der Bezahlung an der Wall Street aus.

Der Analyse zufolge könnte Goldmans Umsatz in diesem Jahr um 13,5 Prozent auf 39,1 Mrd. Dollar sinken. Erwartet werde jedoch, dass die Vergütung um 3,7 Prozent auf 16,8 Mrd. Dollar steigt.

Das letzte Wort in Sachen Boni ist jedoch noch nicht gesprochen: In den nächsten Tagen veröffentlichen die US-Banken ihre Zahlen für das dritte Quartal. Die wieder gewachsene Unsicherheit an den Kapitalmärkten hat nach Einschätzung von Experten zu einem erneuten Rückgang der Einnahmen in den Monaten Juli bis September geführt. JP Morgan Chase legt heute Zahlen vor.

Zudem kommen auf die Institute neue Vorschriften durch die Finanzreform zu, die sich ab dem nächsten Jahr bemerkbar machen werden. Brand Hintz, Analyst von Sanford Bernstein, geht davon aus, dass Wall-Street-Firmen im Zeitraum 2011 bis 2015 ihre Vergütungsstrukturen grundlegend überdenken werden.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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