Die neuen Abschreibungen bei der angeschlagenen Schweizer Großbank und der Abgang von Marcel Ospel heizen die Debatte um deren Strategie weiter an. Politiker, Konkurrenten und Analysten geben dabei unterschiedliche Prognosen für die Zukunft des angeschlagenen Riesen ab.
ZÜRICH. Die Negativschlagzeilen, mit denen die Großbank UBS
am Dienstag die Finanzwelt erschüttert hat, waren noch gestern als Nachbeben in der Schweiz spürbar. Die neuen Abschreibungen in Milliardenhöhe und der Abgang von Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel stehen auch außerhalb der UBS
-Konzernzentrale,
in der Politik in Bern beispielsweise oder bei der Konkurrenz ganz oben auf der Tagesordnung.
Thomas Jordan etwa, Direktoriumsmitglied der Schweizer Nationalbank, widersprach bei einem Vortrag am Mittwoch all denen, die glauben, die Kreditkrise sei mit dem erneuten Kehraus bei Großbanken wie UBS
oder Deutsche Bank
nun ausgestanden. Nach wie vor herrsche Unsicherheit über zusätzlich notwendige Abschreibungen, sagte er und zitierte Schätzungen von Analysten, die von einem gesamten Abschreibungsbedarf von 500 Mrd. Dollar ausgehen. 195 Mrd. davon liegen erst auf dem Tisch.
Auch der Schweizer Finanzminister, Hans-Rudolf Merz meldete sich zu Wort. In einem Zeitungsinterview fällt auf, dass er Abschreibung, geplante Kapitalerhöhung und den Wechsel an der Spitze von Ospel zu Peter Kurer befürwortet. Einsilbiger allerdings gibt sich der Finanzminister bei der Frage nach der Strategie der Bank. Sie sei zum Schluss gekommen, dass sie an der bisher verfolgten Mehrspartenpolitik festhalten wolle. Es sei nicht seine Aufgabe, das zu bewerten, sagt er bloß.
Konrad Hummler dagegen, einer der umtriebigsten Privatbankiers in der Schweiz wiederholte sein Credo: "Es bleibt ja gar nichts anderes übrig, als die Bank aufzuteilen und die wertvollen Teile der UBS
vor der Fäulnis der Investmentbank zu retten. Die Nichtbeherrschbarkeit des Konglomerats hat sich doch nun auf schmerzvolle, aber anschauliche Art und Weise bewiesen."
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