Wie langfristg schadet der Betrug des Ex-Händlers Jerome Kerviel der französischen Bank? Und wie schwer wird die US-Hypothekenmarkt-Krise das Institut noch treffen? Analysten und Beobachter rätseln noch über die Zukunft von Société Générale.
PARIS. "Der Société Générale
eingeschlossen ihrer Finanzmarktaktivitäten geht es heute sehr gut." Noch vor zwei Wochen fasste Daniel Bouton die Lage der französischen Großbank gewohnt selbstbewusst zusammen. Wenige Tage später gab er bekannt, dass er sich vom Posten des Vorstandschefs zurückzieht und künftig nur noch den Verwaltungsrat leitet.
So mancher Analyst ist weitaus skeptischer, was die weitere Entwicklung der zwölftgrößten europäischen Bank nach Marktkapitalisierung angeht. "Es bleibt abzuwarten, wie die Bank die ?Nach-Betrugs-Ära? meistern wird", meinen etwa die Analysten der Rating-Agentur Fitch.
Die Société Générale
steht derzeit aus gleich zwei Gründen im Fokus der Märkte: Zum einen rätseln Analysten und Wettbewerber, wie langfristig die Betrugs-Affäre um Ex-Händler Jérôme Kerviel das Image der Bank und damit das Geschäft belasten wird. Kerviel hatte der Bank mit unerlaubten Termingeschäften einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro eingebrockt. Zum zweiten erwarten Analysten bei der Société Générale
noch weitere Lasten im Zuge der US-Hypothekenmarkt-Krise. So hat die Bank laut Fitch noch CDOs in Höhe von 3,6 Mrd. Euro in den Büchern, die allerdings sehr gut besichert sind.
Wie viel die Bank im ersten Quartal abschreiben muss, darüber gehen die Analystenerwartungen auseinander: Brice Vandamme von der Deutschen Bank meint, dass die Société Générale
"keine weiteren hohen Abschreibungen wird vornehmen müssen". ING rechnet dagegen gar mit bis zu zwei Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr schrieb die Großbank 2,6 Mrd. Euro ab (s. Tabelle).
Hinzu kamen 276 Mill. Euro Lasten aus der Sparte Vermögensverwaltung - denn die Bank hat von ihren Kunden Geldmarktfondsanteile übernommen, in denen zum Teil Subprime-Papiere schlummerten. Der neue Vorstandschef Frédéric Oudéa hat bereits klargemacht, dass hier im ersten Quartal weitere Lasten zu erwarten sind, weil Kunden in Scharen aus diesen Fonds fliehen.
In der vergangenen Woche versuchte die Société Générale
den Markt zu beruhigen. Das erste Quartal werde "das nachhaltige Kundenvertrauen und die Widerstandsfähigkeit der Bank" zeigen, teilte sie mit. Im Eigenhandel nimmt die Bank allerdings derzeit den Fuß vom Gas, denn diese Sparte war vom Betrugsfall betroffen. Beobachter meinen, dass es für ein abschließendes Urteil über den Gesamtschaden noch zu früh ist. Die Ermittlungsverfahren im Fall Kerviel laufen noch.

