Ungewöhnliche Praktiken in Rumänien: Kreditgeschäfte im Kaffeehaus

Ungewöhnliche Praktiken in Rumänien
Kreditgeschäfte im Kaffeehaus

Über Jahrzehnte hinweg war das Bankwesen in Rumänien staatlich geregelt. Nun ist auch das letzte Kreditinstitut privatisiert worden – und der Wettberwerb im vollen Gange. Dem Drang der internationalen Banken begegnen manche einheimische Institute auf eher unkonventionelle Art.

BUKAREST. Es war einmal eine Nationalbank, die, weil sie in Rumänien stand, Banca Nationale Romana hieß. Über sie wurden alle größeren Geschäfte, die sich in dem Land abspielten, abgewickelt. Viel war es nicht, denn Rumänien gehörte damals zu den verschlossensten Ländern im Ostblock. Dann gab es noch die CEC, was für Casa de Economii si Consemnatiuni stand und sozusagen die Bank für den kleinen Mann war. Jedes Kind in Rumänien kannte sie, weil es schon früh sein kleines, grünes Sparbüchlein vom Staat geschenkt bekam, auf das es fortan seine Ersparnisse einzahlen durfte. Geldbußen begleichen, Pensionen ausbezahlen – das waren Dinge, die sich bei der CEC sonst noch verrichten ließen. Dies beschreibt hinreichend das Bankensystem Rumäniens bis 1990.

Mit dieser Friedhofsruhe ist es allerdings längst vorbei. 16 Jahre nach der Revolution und ziemlich genau 16 Wochen, nachdem die letzte staatliche Bank endgültig privatisiert wurde, ist der Konkurrenzkampf unter den Kreditinstituten in vollem Gange. Franzosen, Italiener und Österreicher, aber auch ein paar Deutsche, Griechen und Israelis kämpfen darum, wer auf Dauer zu den großen Drei auf dem rumänischen Markt zählen wird.

Doch der Reihe nach. Die Revolution von 1990 bereitete dem beschaulichen Bankensystem ein jähes Ende. Das Land wollte seine Banken so schnell es ging, auf westlichen Standard bringen. Denn ohne funktionierende Banken gab es kein Geld, kamen keine Investoren, die Rumänien, dem nach Polen zweitgrößten Land unter den ehemaligen Satellitenstaaten der Sowjetunion, auf die Beine helfen konnten. Die Regierung machte sich daran, die bestehenden Banken zu zerlegen und die Einzelteile an Leute zu verkaufen, die etwas von dem Geschäft verstanden. Ion Tiriac beispielsweise, den die Deutschen noch als Tennistrainer von Bobele Becker kennen, kam so zu seiner Bankengruppe.

Tiriac verkaufte später an die deutsche HVB, was wiederum zur Folge hat, das heute die Unicredit eine der größten Bankengruppen im Land ist. Die französische Société Générale erwarb Ende der neunziger Jahre die zweitgrößte Bank des Landes für eine überschaubare Summe und baute sie massiv aus. Die österreichische Raiffeisengruppe kaufte sich aus der Portokasse eine ehemals auf die Bedürfnisse von Landwirten ausgerichtete Bank und hatte ihre Ausgaben schon nach einem Jahr allein durch den Verkauf einiger Immobilien wieder eingespielt.

Im vergangenen Jahr schließlich wurde die Banca Comerciala Romana (BCR) privatisiert, die letzte Ausgründung aus der alten Nationalbank und mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent das größte Kreditinstitut des Landes. Die Erste Bank kam für den stolzen Preis von knapp 3,9 Mrd. Euro zum Zug und bezahlte damit einen zehnmal höheren Preis als alle Konkurrenten zuvor. Sie hält inzwischen rund 70 Prozent der BCR-Anteile. Das Geschäft soll sich trotz des hohen Preises und sinkender Marktanteile bald rechnen, hoffen die Österreicher, die für 2006 mit einem Gewinn der BCR von 250 Mill. Euro vor Abzug der Restrukturierungskosten rechnen. Bis 2009 soll das, was unterm Strich übrig bleibt, um 40 Prozent steigen.

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