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21.05.2007 
Kauf von Capitalia

Unicredit schlägt schon wieder zu

von Katharina Kort

Keine zwei Jahre nach der Milliarden-Übernahme der deutschen Hypo-Vereinsbank greift die italienische Unicredit erneut zu. Für mehr als 21 Mrd. Euro erwirbt die Mailänder Großbank den römischen Konkurrenten Capitalia in Form eines Aktientauschs. Das Geschäft dürfte speziell in deutschen Banken für Kopfschmerzen sorgen.

Erst kauft Unicredit-Chef Alessandro Profumo die HVB, nun Capitalia. Foto: apLupe

Erst kauft Unicredit-Chef Alessandro Profumo die HVB, nun Capitalia. Foto: ap

MAILAND. Unicredit bietet 1,12 eigene Aktien pro Capitalia-Papier. Die Führung beider Institute habe dem Vorhaben zugestimmt, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung am Sonntagabend. Für die Fusion sind noch die Zustimmung der Aktionäre und der Aufsichtsbehörden nötig. Beide Banken kündigten dazu ein Aktionärstreffen für den Zeitraum Ende Juli/Anfang August an.

Mit der jüngsten Übernahme steigt Unicredit mit 40 Millionen Kunden und einer Marktkapitalisierung von knapp 100 Mrd. Euro zur größten Bank in der Euro-Zone und zur Nummer acht weltweit auf. Damit beweist Italien derzeit erneut eine Vorreiterrolle bei der Konsolidierung des europäischen Bankenmarkts.

Und während sich auch in den Niederlanden derzeit die britische Barclays und die Royal Bank of Scotland um die ABN Amro streiten, fallen die deutschen Banken immer weiter gegenüber der internationalen Konkurrenz zurück. Die Deutsche Bank kommt gerade einmal auf einen Börsenwert von etwas mehr als 61 Mrd. Euro.



Vor allem auf dem Heimatmarkt macht der Unicredit-Chef Alessandro Profumo dank der Übernahme der in Italien starken Capitalia wieder ein wenig Boden wett, nachdem ihn die Fusion aus Banca Intesa und Sanpaolo Imi zum Jahreswechsel in Italien vom ersten Platz gestoßen hat. Mit 15 Prozent Marktanteil im klassischen Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft steht Unicredit allerdings in Italien weiterhin auf Platz zwei. Vor allem im Massengeschäft mit Privatkunden ist die erweiterte Unicredit mit ihren zukünftig europaweit 9 200 Filialen stark vertreten. Mehr als 5 000 Filialen davon sind in Italien.

Analysten hatten den Zusammenschluss der beiden italienischen Banken bereits vor der offiziellen Bestätigung begrüßt. So rechnen die Analysten der Intesa-Investmentbank Caboto und auch die US-Kollegen von Citigroup mit Synergien von mehr als einer Milliarde Euro. Der Aktienkurs von Capitalia hatte in den vergangenen Tagen seit Bekanntwerden der Pläne bereits um mehr als zehn Prozent zugelegt. Auch die Unicredit-Aktie hält sich noch immer in der Nähe der Höchstmarke von 7,50 Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: HVB-Aktionäre verlieren an Einfluss.

Von politischer Seite oder den Aufsichtsbehörden ist kein Störfeuer zu erwarten. Der Gouverneur der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, hat sich mehrmals für eine inneritalienische Konsolidierung der Banken ausgesprochen. Und auch die römische Regierung unter Ministerpräsident Romano Prodi befürwortet die Übernahme durch Unicredit, da so kein ausländischer Konkurrent zum Zug kommt.

Schließlich gilt Capitalia seit mehreren Jahren als nächstes Übernahmeziel auf dem italienischen Bankenmarkt. Auch ausländische Banken sollen sich für das Institut interessiert haben, das in den vergangenen Jahren eine beachtliche Kehrtwende hingelegt hatte.

Die Frage des zukünftigen Managements haben Unicredit und Capitalia gelöst, indem der bisherige Capitalia-Präsident Cesare Geronzi gemeinsam mit drei weiteren Direktoriumsmitgliedern seiner Bank in den Unicredit-Verwaltungsrat einzieht. Der Vorstandsvorsitzende von Capitalia, Matteo Arpe, muss dagegen im Zuge der Fusion seinen Posten räumen. Der Manager, der für die Kehrtwende der zuvor angeschlagenen Bank verantwortlich war, hat zum 31. Mai seinen Rücktritt eingereicht. „Der Verwaltungsrat hat Dr. Arpe ehrlich für seine außergewöhnlich fähige und entschiedene Arbeit der vergangenen fünf Jahre gedankt“, ließ Capitalia gestern wissen.

HVB-Aktionäre verlieren an Einfluss

Ein weiterer Knackpunkt war die Beteiligung an der einflussreichen italienischen Investmentbank Mediobanca, wo die beiden Institute gemeinsam auf 18 Prozent kommen. Diesen Anteil wollen die beiden Banken wohl deutlich senken.

Mit der Übernahme von Capitalia verwässert sich dagegen der Anteil der ehemaligen HVB-Aktionäre an Unicredit. So wird der Anteil der Münchener Rück von bisher 4,7 Prozent auf weniger als vier Prozent fallen, und auch die Beteiligung der Allianz, die bisher 3,1 Prozent an Unicredit hielt, wird nun auf 2,5 Prozent sinken. Dagegen wird die niederländische ABN Amro, die bisher 8,6 Prozent an Capitalia hält, immerhin mit 1,7 Prozent neuer ausländischer Aktionär.

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