Die drittgrößte italienische Bank Capitalia hat am Dienstagabend erstmals bestätigt, dass sie Fusionsgespräche mit der heimischen Großbank Unicredit geführt hat. Kurz darauf gab auch Unicredit bekannt, dass entsprechend Gespräche stattfänden. Bereits im Vorfeld dieser Nachricht hatten die Aktien beider Häuser erneut zugelegt, dabei erreichte Capitalia einen neuen Rekordstand.
kk MAILAND. Bisher hatte Capitalia unter ihrem Vorstandschef Matteo Arpe stets Kontakte verneint. Arpe hatte jedoch eine Öffnung signalisiert, als er sagte, er stelle eine rasche Konsolidierung auf dem europäischen Bankenmarkt fest, dabei sei seine Bank sowohl „interessant als auch interessiert“. Einige Marktbeobachter rechnen bereits in der nächsten Woche mit einem möglichen Angebot. Unicredit-Chef Allesandro Profumo soll nach einem Zeitungsbericht gegenüber Vertrauten gesagt haben: „Capitalia ist die letzte Möglichkeit, um das Filialnetz in Italien um weitere 2 000 zu erweitern. Aber die Operation wird nur dann durchgezogen, wenn die Bedingungen der Governance stimmen, um eine Effizienz auf dem Niveau von Unicredit zu garantieren.“ Dabei hat Unicredit erst vergangene Woche bewiesen, dass die Effizienzlatte sehr hoch liegt: Der Gewinn stieg in den ersten drei Monaten um knapp 30 Prozent auf 1,78 Mrd. Euro.Mit einer Übernahme von Capitalia, die an der Börse rund 20 Mrd. Euro wert ist, könnte Unicredit die Position in Italien stärken, wo die Bank nach der Fusion von Banca Intesa und Sanpaolo Imi vom ersten Platz verdrängt wurde. Zudem steht Profumo unter politischem Druck, da die Regierung Unicredit einem ausländischen Bieter für Capitalia vorziehen würde. Regierungschef Romano Prodi sagte auf die Frage, was er über die mögliche Fusion denke: „Grundsätzlich bin ich für diese Dynamik.“
Profumo selbst hat eine politische Einflussnahme bereits von sich gewiesen: „Ich spüre keinen politischen Druck“, sagte er. Wie aus Finanzkreisen verlautet, ist Profumo selbst eher einer Fusion mit der französischen Société Générale zugeneigt. Eine Integration mit Capitalia wäre heute sinnvoller, während eine Integration mit Société Générale in drei Jahren optimal sein könnte, meinte ein Analyst.

