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26.09.2008 
Nach dem Ende der Investmentbanken

Universalbanken vor der Bewährungsprobe

von Torsten Riecke

Reine Investmentbanken sind seit Montag Geschichte – nun schlägt die Stunde der großen Universalbanken. Doch die breit aufgestellten Geldhäuser wie die Citigroup galten einst selbst als "unregierbare" Imperien und daher als Auslaufmodell. Nun scheinen sie die Gewinner der Krise zu sein. Doch der Untergang der Wall Street verdeckt nur die Schwächen der Institute.

Citigroup-Chef Vikram Pandit hat gut Lachen - aber wie lange noch? Foto: BloombergLupe

Citigroup-Chef Vikram Pandit hat gut Lachen - aber wie lange noch? Foto: Bloomberg

NEW YORK. Das hätte sich Vikram Pandit nicht träumen lassen. Als der 51-Jährige am 11. Dezember 2007 zum Chef der Citigroup ernannt wird, erntet er an der Wall Street nur Mitleid. John Thain, damals auch im Gespräch für den Spitzenjob bei Citi, schlägt das Angebot aus und wechselt lieber zum Brokerhaus Merrill Lynch. Der Grund: Das weltweite Citi-Reich befindet sich in Auflösung. Abschreibungen von bis heute 27 Mrd. Dollar auf riskante Hypothekenprodukte haben den Bankenkoloss ins Straucheln gebracht. Investoren fordern eine Aufspaltung des "unregierbaren" Imperiums. Besser sei es, so heißt es damals, die Investmentbank abzuspalten und ohne den Ballast der Geschäftsbank weiterzuführen.

Heute sitzt Pandit in seinem Büro in der feinen Park Avenue in Manhattan und lächelt: "Die Citigroup ist ein großartiger Platz", sagt er der New York Times. Seine Bank sei ein Symbol der Stärke in der Finanzkrise, die Strategie der Universalbank zu "100 Prozent richtig". Wer wollte Pandit widersprechen? Drei der einst fünf großen Investmentbanken an der Wall Street sind fast über Nacht vom Erdboden verschwunden. Die letzten beiden, Goldman Sachs und Morgan Stanley, haben gerade kapituliert und sich offiziell zu einer normalen Geschäftsbank umgewandelt. Pandit und seine Kollegen Jamie Dimon von JP Morgan Chase sowie Kenneth Lewis von Bank of America scheinen die großen Sieger der historischen Umwälzungen zu sein. Dabei verdeckt der Untergang der Wall Street nur die Schwächen der großen Universalbanken.

Es ist nicht lange her, da stand das Geschäftsbanken-Trio im Visier von Analysten und Hedge-Fonds. Während Goldman & Co. mit ihren stark gehebelten Geschäftsmodellen Renditen von 20 bis 30 Prozent einfuhren, mussten sich die Elefanten der Finanzbranche mit Gewinnquoten von etwa elf Prozent begnügen. Zu wenig, befanden Analysten. Entsprechend wurde vor allem Citi von den Investoren abgestraft. Die Aktie rauschte mit zweistelligem Tempo in den Keller. Citi-Aktionär William Smith vom New Yorker Vermögensverwalter SAM Advisors sieht die Strategie des Banken-Riesen als "Prototyp eines gescheiterten Modells". Eine schlechte Performance über 41 Quartale hinweg zeige, "dass die Universalbank nicht funktioniert", sagte er dem US-Magazin "Bloomberg Markets".

Die schlankeren, risikofreudigeren Brokerhäuser führten die schwerfälligen Bankenkolosse nach allen Regeln der Kunst vor. Ob bei der Beratung von Fusionen und Übernahmen (M&A), bei der Begleitung von Börsengängen oder beim Eigenhandel mit Risikopapieren und alternativen Investments - überall hatten sie die Nase vorn.

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