0 Bewertungen
31.08.2007 
Anonymer Absender berichtet von falschen bilanziellen Bewertungen

Untreue-Vorwürfe gegen Vorstandsmitglieder der Sachsen-LB

Die Sachsen-LB kommt auch nach dem Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg nicht zur Ruhe: Nach einer anonymen Anzeige prüft die Leipziger Staatsanwaltschaft Untreuevorwürfe gegen ehemalige und heutige Vorstandsmitglieder des Instituts, wie ein Behördensprecher am Freitag in Leipzig sagte.

ap LEIPZIG/DRESDEN. Die Anzeige richte sich auch gegen Mitglieder des Verwaltungsrates der Bank. Ein leitender Mitarbeiter des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes (OSGV) sei ebenfalls erwähnt. Es werde ein Anfangsverdacht geprüft, sagte der Sprecher. Laut einem Bericht der „Welt“ handelt es sich bei dem Anzeigenerstatter um einen ehemaligen Mitarbeiter. Dieser behaupte, dass schon 2003 und 2004 im Vorstand und Verwaltungsrat über unhaltbare Zustände der Tochtergesellschaften in Dublin diskutiert worden sei. Um Risiken zu verschleiern, sei die Konzernrevision vom damaligen Vorstand genötigt worden, bewusst falsche bilanzielle Bewertungen vorzunehmen, schreibt das Blatt weiter. Die Dubliner Tochter war durch das Geschäft mit Hypothekenanleihen von den Turbulenzen auf dem US-Immobilienmarkt erfasst worden.

Unabhängig von der Anzeige prüft die Staatsanwaltschaft bereits, ob beim Vorstand der Sachsen-LB ein Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften vorliegt.

Die Krise hatte am Donnerstag auch personelle Konsequenzen gefordert. Sachsen-LB-Chef Herbert Süß gibt den Vorstandsvorsitz bei der Landesbank zum 15. September auf. Sein Nachfolger wird der Chef der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, Joachim Hoof. Außerdem wurden die beiden Vorstandsmitglieder Yvette Bellavite-Hövermann und Werner Eckert mit sofortiger Wirkung abberufen. Bereits vergangene Woche hatte Kapitalmarkt-Vorstand Stefan Leusder seinen Hut genommen.

Schwere Vorwürfe gegen das Sachsen-LB-Management erhob unterdessen der sächsischen Wirtschaftsminister Thomas Jurk. Der SPD-Politiker sagte der „Leipziger Volkszeitung“, dass noch in der Anteilseigner-Versammlung am 20. August die Frage, ob es weitere Risiken gebe, verneint worden sei. Auch die Behauptung, der Verwaltungsrat sei regelmäßig und gut informiert worden, sei falsch: „Über die Dimension der Risiken hat der Banken-Vorstand den Verwaltungsrat nicht ausreichend in Kenntnis gesetzt. Wichtige Informationen, die die Mitglieder des Verwaltungsrates auch nach den gesetzlichen Vorschriften hätten erhalten müssen, sind erst auf viele Nachfragen hin gegeben worden“, wird Jurk zitiert.

Nach Ansicht von LBBW-Vorstandschef Siegfried Jaschinski muss die Sachsen-LB komplett neu ausgerichtet werden. „Bisher kam ein großer Teil des Ertrags der Sachsen-LB von der irischen Tochter. Das hat zu Risiken des Ausmaßes geführt, mit dem wir heute konfrontiert sind“, sagte Jaschinski der „Leipziger Volkszeitung“. „Wir müssen versuchen, für die Sachsen-LB neue Kunden zu gewinnen.“ Dabei denke er vor allem an Mittelständler in Sachsen. „Darüber hinaus wollen wir auch über die Grenzen des Freistaats hinausschauen, zum Beispiel nach Tschechien, Polen oder in die Slowakei.“

Am (heutigen) Freitag wollte der sächsische Landtag über den Notverkauf der Sachsen-LB (15.00 Uhr) debattieren. Angekündigt wurde eine Regierungserklärung von Finanzminister Horst Metz (CDU) mit Informationen über Einzelheiten des Verkaufs an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Zusammenlegung von Depots bringt Vorteile  Artikel in Merkliste

22.11.2008

Wer seine Bankverbindungen bei einem Anbieter bündelt, fährt bei der Einführung der Abgeltungsteuer besser. Gewinne und Verluste lassen sich so einfacher verrechnen – Anleger müssen sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer sonst vom Fiskus zurückholen. Artikel


Anzeige