Untreueprozess: Gericht hält Sal. Oppenheim-Führung für schuldig

Untreueprozess
Gericht hält Sal. Oppenheim-Führung für schuldig

Im Prozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim ist eine erste Entscheidung gefallen: Die Banker sollen sich der Untreue schuldig gemacht haben. Einem Angeklagten droht sogar Gefängnis.
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KölnDie ehemalige Führung der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim soll sich der schweren Untreue schuldig gemacht haben. So bewertet es die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker nach mehr als 100 Prozesstagen. In einem sogenannten Rechtsgespräch erklärte die Richterin, dass die Kammer die Angeklagten bei vorläufiger Würdigung der Beweise für schuldig hält.

Die Spitzenbanker des Instituts, das durch den Niedergang von Arcandor fast mit in die Pleite gerutscht wäre, müssen sich vor dem Gericht wegen Untreue verantworten.

Mit ihren Strafmaßen bleibt das Gericht hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Für Dieter Pfundt geht das Gericht von einer Haftstrafe zwischen 20 bis 32 Monaten aus, Christopher Freiherr von Oppenheim könnte auf eine Haftstrafe von 22 bis 34 Monaten kommen. Das angedachte Strafmaß gilt nur, wenn beide gestehen. Dafür dürfen die Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Graf von Krockow droht dagegen sogar Gefängnis. Richterin Grobecker taxiert sein Strafmaß auf zwei bis drei Jahre Haft. Die Angeklagten sollen jahrelang ihre eigenen Interessen mit denen der Bank vermischt haben.

Aufatmen kann dagegen Immobilienentwickler Josef Esch. Er hat nach Ansicht des Gerichts nur eine untergeordnete Rolle bei den fraglichen Deals gespielt und kann nun mit einem Freispruch rechnen. Neben den genannten ist auch der ehemalige Top-Banker Friedrich Carl Janssen angeklagt.

Mit der Vergabe eines rettenden Kredits für Arcandor im Jahr 2009 war der Bank ein Schaden von 80 Millionen Euro entstanden, so beziffert ihn jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Am Ende musste die einst stolze Privatbank durch die Deutsche Bank gerettet werden.

Massimo Bognanni ist Reporter im Handelsblatt Investigativ-Team.
Massimo Bognanni
Handelsblatt / Reporter im Investigativ-Team

Kommentare zu " Untreueprozess: Gericht hält Sal. Oppenheim-Führung für schuldig"

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  • Nach diesem Schuldinterlokut könnte die Kammer aus den noch zu verständigten engeren Strafrahmen angemessene Freiheitsstrafen ausurteilen.

  • Und der Herr Esch, der Schlimmste von allen, soll ungeschoren davon kommen. Einfach nur schlimm. Genauso wie Janssen.

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