Die Retter brauchen Hilfe: Die Federal Deposit Insurance Corp rechnet bei weiteren Pleiten damit, dass die Beiträge der Banken für die Rettung insolventer Institute nicht mehr ausreichen. Im Notfall müsste der Staat einspringen.
NEW YORK. Die Finanzkrise hat nun auch die Einlagensicherung der US-Banken erreicht. Die Federal Deposit Insurance Corp (FDIC) rechnet bei weiteren Pleiten damit, dass die Mitgliedsbeiträge der Banken für die Rettung insolventer Institute nicht mehr ausreichen. Dann müsste der Staat einspringen. "Ich würde die Möglichkeit nicht ausschließen, dass wir Kreditlinien des Finanzministeriums ziehen müssen, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu schließen", sagte FDIC-Chefin Sheila Bair dem "Wall Street Journal". Das wäre das erste Mal seit der Bankenkrise Anfang der 90er- Jahre, dass die Regierung der FDIC beistehen müsste.
Die Wahrscheinlichkeit für diesen Fall nimmt zu. Denn die FDIC hat nun 117 Institute wegen finanzieller Schwierigkeiten auf ihrer Beobachtungsliste, Ende des ersten Quartals waren es noch 90. Insgesamt musste die Einlagensicherung neun Insolvenzen in diesem Jahr auffangen. "Wir glauben nicht, dass die Krise bereits ihren Boden gefunden hat", sagte Bair.
Die FDIC wurde in der Weltwirtschaftskrise 1933 gegründet und garantiert jedem Sparer Einlagen bis zu 100 000 Dollar je Bankverbindung. Fast zwei Drittel aller 8 000 Institute in den USA sind FDIC-Mitglied. Durch die jüngsten Pleiten meist kleinerer Kreditinstitute schrumpfte der Sicherungsfonds im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 45,2 Mrd. Dollar und damit unter die vorgegebene Quote von 1,15 Prozent des versicherten Geldes. Bair kündigte an, die Versicherungsbeiträge möglicherweise im Oktober anzuheben.
Falls sich die Pleiten häufen, was sich offenbar abzeichnet, steht Bair eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, den Steuerzahler zur Kasse zu bitten. Neben den kurzfristigen Kreditlinien hält das Finanzministerium Darlehen im Volumen von 30 Mrd. Dollar bereit. Es wird aber erwartet, dass Bair versuchen wird, diese nicht anzutasten. Zum einen, weil es ein neues Krisensignal in den Markt senden würde, denn diese Reserve wurde bislang nie in Anspruch genommen. Zum anderen wäre es mitten im Wahlkampf extrem unpopulär, Steuergeld direkt in den Finanzsektor zu pumpen. Um der FDIC eleganter und weniger auffällig unter die Arme zu greifen, hat der Kongress Anfang August der US-Notenbank erlaubt, auch solchen Instituten Geld zu leihen, die bereits unter FDIC-Verwaltung stehen. Das wurde von Kritikern in Washington bereits als Signal angesehen, dass man in der US-Regierung nicht davon ausgeht, dass der Einlagensicherungsfonds der Krise standhält. Zudem wäre die Alternative zu einer staatlichen Finanzspritze die drastische Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, was einige angeschlagene Banken zusätzlich belasten würde. Analysten schätzen, dass die FDIC erst nach Ende der Krise die Beiträge substanziell anheben wird. "Der Großteil der Aufschläge wird auf die Branche zukommen, wenn sie wieder besser positioniert ist", sagte Steven Alexopoulos, Bankenexperte bei JP Morgan
Chase.


