Den Finanzspezialisten an der Wall Street geht es ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise wieder blendend. Für 2009 haben die Großbanken und Broker New Yorks 20,3 Mrd. Dollar an Boni ausgeschüttet - 17 Prozent mehr als im Vorjahr, allerdings noch deutlich weniger als im Rekordjahr 2007.
US-Großbanken: Die fetten Boni kehren an die Wall Street zurück
Goldman-Chef Lloyd Blankfein strich 2009 einen 9 Mio.-Dollar-Bonus ein. 2007 waren es noch 68,5 Mio. Dollar. Quelle: dpa
NEW YORK. Die 20,3 Mrd. Dollar seien ein Plus von 17 Prozent, zitierte der Finanzminister des Bundesstaates New York, Thomas DiNapoli, am Dienstag in einem TV-Interview aus dem bislang nicht veröffentlichten Bonusreport 2009 seiner Behörde. Im Rekordjahr 2007 hatten die Institute jedoch noch 32,9 Mrd. Dollar an Boni ausgeschüttet.
Nach DiNapolis Angaben lag der zu versteuernde Durchschnittsbonus 2009 bei knapp 124000 Dollar nach 112000 Dollar im Vorjahr.
Die Boni und Gehälter an der Wall Street werden seit der Finanzkrise nicht mehr nur vom Finanzminister des Bundesstaates New York mit Argusaugen betrachtet. Weil die Banken in der Finanzkrise mit Steuergeldern vor dem Kollaps gerettet wurden, stehen sie mit ihrer Rückkehr zu hohen Gehältern massiv in der Kritik. Die Banken zahlten die Boni mittlerweile größtenteils in Aktien aus und koppelten sie stärker an die Leistung, sagte DiNapoli. "Trotzdem sind sie für viele Menschen immer noch eine bitte Pille", fügte er hinzu. Er rechnet damit, dass die New Yorker Finanzszene 2009 mehr als 55 Mrd. Dollar verdient hat, nachdem die Branche 2008 ein Rekordminus von 43 Mrd. Dollar verbucht habe.
Die Banken an der Wall Street, allen voran Marktführer Goldman Sachs, hatten in der Bonussaison für 2009 versucht, auf die Kritik zu reagieren. So fiel der Bonus für Goldman-Chef Lloyd Blankfein auf neun Mio. Dollar nach 68,5 Mio. Dollar im Vorkrisenjahr 2007, obwohl die Bank 2009 so profitabel war wie nie zuvor. Insgesamt schüttet die Bank für 2009 rund 36 Prozent ihrer Einnahmen an Mitarbeiter aus. Im Schnitt der Vorjahre lag diese Quote bei rund 50 Prozent.
Jamie Dimon, der Chef der ebenfalls gestärkt aus der Krise hervorgegangenen Großbank JP Morgan
erhielt für 2009 einen Bonus von 17 Mio. Dollar nach 28 Mio. Dollar im Jahr 2007. Im vergangenen Jahr hatten beide Banker keine Boni erhalten.
Die US-Regierung hatte versucht, die Gehälter bei den mit Steuergeldern geretteten Banken per Gesetz zu deckeln. Die meisten Großbanken entzogen sich dem jedoch, indem sie die Hilfsgelder zurückzahlten. Außer der Citigroup
haben mittlerweile alle großen Institute den Staat wieder ausbezahlt.
Die Rückkehr der Banken zu hohen Boni ermöglicht es ihnen auch wieder, Spezialisten zurückzuholen, die sie in der Krise an Hedge-Fonds verloren haben. So verkündete das größte US-Kreditinstitut Bank of America
am Montag, die Rückkehr zweiter Veteranen ihres Investment-Bankings. Diese waren in der Krise zum Chicagoer Hedge-Fonds Citadel geflohen, der ins Investment-Banking einsteigen wollte. Der Abgang der Spezialisten dürften diesen Plänen einen Dämpfer versetzt haben.


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