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21.07.2008 
Subprime-Virus

USA: Kein Ende der Kettenreaktion in Sicht

von Matthias Eberle

Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Wird die Krise 2009 vorüberziehen oder erst Jahre später? Wird sie die führende Wirtschaftsnation Amerika nachhaltig zurückwerfen? Die US-Medien liefern dieser Tage vor allem eines: Fragezeichen! Warum die Unsicherheit an den Märkten nach wie vor greifbar ist.

NEW YORK. Die Unsicherheit ist so groß wie die Sorge, dass der größte fremdfinanzierte Immobilien- und Konsumrausch in das größte anzunehmende Finanzdebakel münden könnte. Die "Business Week" warnte zuletzt vor einem "Hauspreis-Abgrund", weil der freie Fall der Immobilienpreise eine Kettenreaktion ausgelöst hat, dessen Folgen immer breitere Teile der Wirtschaft belasten.

Phase eins der Subprime-Krise wurde mit dem Niedergang von Bear Stearns im März 2008 spektakulär beendet. Die traditionsreiche Investmentbank ist inzwischen nur noch eine Abteilung des New Yorker Rivalen JP Morgan. Während US-Finanzminister Henry Paulson Menschen und Märkte nach diesem Notverkauf zu beruhigen versuchte ("Das Schlimmste liegt wahrscheinlich hinter uns"), begann Phase zwei der Krise: der Dominoeffekt. Die Immobilienpreise, die in einstigen Boom-Städten wie Miami, Las Vegas und Phoenix bereits um mehr als 25 Prozent gefallen sind, bringen Millionen Amerikaner in akute Finanznot. Viele bedienen ihre Hypotheken nicht mehr und zwingen Kreditgeber, die Immobilien räumen zu lassen und zu Ausverkaufspreisen in den Markt zu geben. Das verstärkt den Druck auf die Preise und führt in der Folge zu noch mehr Zwangsräumungen: Nach Angaben des Branchendienstes RealtyTrac gab es allein im Juni 2008 landesweit 252 000 Vollstreckungen - ein Desaster, das in Washington zum zentralen Wahlkampfthema avanciert.

Eine Entspannung der Lage ist vor der Präsidentschaftswahl im November nicht zu erwarten, eher das Gegenteil: Allein die Bank of America, die zu Jahresbeginn den Hypotheken-Riesen Countrywide aufkaufte und vor dem finanziellen Aus bewahrte, handelt derzeit für 250 000 Kredite neue Konditionen aus. "Unser Ziel ist es, so viele Familien wie möglich in ihren Häusern zu halten", sagt Konzernchef Kenneth Lewis.

Während Hausanwärter inzwischen kaum mehr an bezahlbare Hypothekenkredite kommen und somit als Schnäppchenkäufer ausfallen, nehmen die Abschreibungen der Banken historische Dimensionen an: Schätzungen, die Kreditkrise werde am Ende eine Billion Dollar an Verlusten kosten, gelten inzwischen als überholt. Die jüngsten Prognosen renommierter Institute wie Goldman Sachs oder UBS liegen bereits deutlich darüber.

Der sich ausbreitende wirtschaftliche Schaden, den der Hauspreisverfall anrichtet, werde zum eigentlichen Kernproblem der Banken, sagt Sheila Bair vom staatlichen Bankeinlagen-Versicherer FDIC: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditverbriefungen, Bonds - das Feuer lodert bis in die letzten Ecken des Kreditmarktes.

Während die Hauptsorge aktuell stärker den Regionalbanken gilt, weil sie den großen Teil ihres Geschäfts mit Immobilien machen, geraten auch Citigroup & Co. ins Wanken. "Selbst große Banken und Broker sind jetzt in Gefahr", betont der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, der Amerikas Eliten seit Jahren vorwirft, das Ausmaß der Kreditkrise dramatisch zu unterschätzen. Er sieht die USA auf "die schlimmste Finanzkrise seit der Großen Depression" zusteuern. Wenigstens der streitbare Schwarzmaler, der zum Hellseher wurde, liefert derzeit klare Sätze, die nicht mit einem Fragezeichen enden. Beruhigend sind Roubinis Ausrufezeichen freilich nicht.

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