Die Debatte um Übernahmen im Finanzsektor ruft die Gewerkschaften auf den Plan. Verdi sieht 20 000 Arbeitsplätze in Gefahr, sollten Postbank
, Commerzbank
und Dresdner Bank fusionieren. Auch Streiks seien möglich. Eine Konfrontation erscheint unvermeidlich.
Gebäude der Dresdner Bank (l.) und der Commerzbank in Frankfurt. Die Gewerkschaft Verdi ist gegen eine Fusion der beiden Institute mit der Postbank. Foto: ap
FRANKFURT. Die Gewerkschaft Verdi will die anstehende Tarifrunde im Bankengewerbe nutzen, um Massenentlassungen im Falle einer Konsolidierung unmöglich zu machen. "Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen wird eine Rolle spielen", sagte Verdi-Bundesvorstand Uwe Foullong dem Handelsblatt. "Wir wollen das vertraglich verankert haben." Es zeichne sich ab, dass es sich bei den zahlreichen Fusionsszenarien um mehr als um bloße Spekulation handele. "Und wir bereiten uns natürlich auf das vor, was man Konsolidierung nennt", stellte Foullong klar. Sollte es keine Einigung geben, seien Streiks im Extremfall nicht ausgeschlossen.
Verdi hat bereits gewarnt, dass beispielsweise im Falle einer Fusion von Postbank
, Commerzbank
und Dresdner Bank rund 20 000 Stellen auf der Kippe stehen könnten. Mit der Verdi-Forderung nach Job-Sicherheit ist der Konflikt für die am 19. Juni beginnenden Tarifgespräche der privaten Banken und Landesbanken programmiert. Denn würden die Arbeitgeber diesen Forderungen zustimmen, ließen sich bei Zusammenschlüssen kaum Synergien heben. Fusionen wären damit weitaus unattraktiver. Zusätzlich werden die Tarifgespräche aus Arbeitgebersicht durch Forderungen nach einem Gehaltsanstieg von acht Prozent belastet.
Die Institute reagierten gestern mit einer klaren Absage auf Foullongs Pläne. "Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Mitglieder erhalten, nicht einschränken", erklärte Gerd Benrath, Hauptgeschäftsführer beim Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken). Unternehmen müssten auf besondere Situationen reagieren können - notfalls auch mit betriebsbedingten Kündigungen. Thomas Buchbinder, Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft Öffentlicher Banken, verwies auf die Belastungen im Zuge der Finanzkrise. Alleine bei den großen Landesbanken BayernLB, Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und WestLB schlugen sie bislang mit insgesamt rund acht Mrd. Euro zu Buche. "Angesichts laufender Schrumpfungsprozesse und einer weiteren Konsolidierung im Bankenbereich ist damit zu rechnen, dass tarifbedingte Personalkostensteigerungen nur durch weitere Reduzierungen der Personalkapazitäten aufgefangen werden können", ergänzte Buchbinder.

