Verkauf der BayernLB: Patrizia macht Mega-Immobiliendeal perfekt

Verkauf der BayernLB
Patrizia macht Mega-Immobiliendeal perfekt

Das Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia übernimmt 32.000 Wohnungen von der BayernLB-Tochter GBW. Mit dem Gewinn aus dem Verkauf will die Landesbank ihre Schulden an den Freistaat zurückzahlen.
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MünchenRekordübernahme auf dem deutschen Wohnungsmarkt: Die Immobiliengesellschaft Patrizia kauft die BayernLB -Wohnungstochter GBW und legt dafür zusammen mit Co-Investoren mehr als zwei Milliarden Euro auf den Tisch. Nicht zum Zuge kommt ein kommunales Konsortium um die SPD-geführten Städte München und Nürnberg, das im beginnenden Landtagswahlkampf ebenfalls Interesse an den 32.000 Wohnungen gezeigt hatte. An der Börse kam der bislang größte Wohnungsdeal in Deutschland am Montag gut an: Die Aktie des im Kleinwerteindex SDax notierten Augsburger Konzerns sprang zeitweise um 13 Prozent auf gut acht Euro, den höchsten Stand seit November 2007.

Die BayernLB muss ihren 92-prozentigen Anteil an der GBW auf Druck der EU-Kommission verkaufen, die dem Institut nach der staatlichen Rettung 2008 eine Schrumpfkur verordnet hat. Bei der Transaktion wird die GBW mit 2,45 Milliarden Euro bewertet. Der Nettokaufpreis unter Berücksichtigung der GBW-Schulden beträgt 882 Millionen Euro. Abzüglich des Buchwerts, den die BayernLB für die Tochter angesetzt hat, bleibt der zweitgrößten deutschen Landesbank ein Gewinn von rund 200 Millionen Euro. Die BayernLB kann das Geld gut gebrauchen: Bis 2019 muss sie ihrem Haupteigner, dem Freistaat, fünf Milliarden Euro an Staatshilfen zurückzahlen.

Die Übernahme sei ein Meilenstein für Patrizia, jubelte Konzernchef Wolfgang Egger. Sein Unternehmen hatte im vergangenen Jahr schon den Zuschlag für die Immobilientochter der LBBW erhalten und setzte sich nun auch in München gegen diverse Mitbewerber durch - darunter neben den Kommunen ein weiteres Konsortium, an dem die österreichische Conwert beteiligt war. Finanzkreisen zufolge hatte Patrizia das mit Abstand höchste Angebot vorgelegt, weshalb die BayernLB die Entscheidung schneller fällte als ursprünglich geplant. Der Abstand zu dem Gebot der Kommunen sei "deutlich" gewesen, sagte Häusler, "deutlicher, als es noch vor ein paar Monaten war".

Patrizia stemmt die Übernahme mit Hilfe von finanzstarken Pensionskassen und Versicherern, aber auch von Sparkassen. Sie alle sind im Niedrigzinsumfeld auf der Suche nach Rendite und wenden sich deshalb verstärkt Immobilien-Investments zu. Besonders in Großstädten wie München oder Nürnberg, wo zahlreiche GBW-Immobilien liegen, sind die Kaufpreise und Mieten für Wohnungen in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Die relativ kleine Patrizia, die die Bewirtschaftung der Immobilien übernimmt, braucht dank des Konsortiums nur etwa 58 Millionen Euro selbst einzubringen. Mit im Boot säßen 26 deutsche Investoren und einer aus der Schweiz, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Klaus Schmitt. Darunter seien die Sparkassen-Versicherung, die Versicherer WWK und WGV und drei süddeutsche Sparkassen.

Patrizia hat sich mit der GBW-Übernahme, über die Reuters vorab exklusiv berichtet hatte, auf die Einhaltung einer umfangreichen Sozialcharta verpflichtet. Darauf hatte im Wahljahr 2013 auch die bayerischen Landesregierung gedrängt. Die Sozialcharta sieht unter anderem einen mehrjährigen Kündigungsschutz sowie ein Vorkaufsrecht für Mieter vor. Über 60-jährige und behinderte Bewohner haben ein lebenslanges Wohnrecht.

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Die Mieten steigen weiter

Kommentare zu "Patrizia macht Mega-Immobiliendeal perfekt"

Alle Kommentare
  • 2,45 mrd e / 32.000 Wohnungen => EUR 76.562,50 pro Wohnung.
    In München, nicht irgend nem Drecksloch nördlich des Main.

    Selbst wenn jede Wohnung im Hasenbergl liegt: Guter Deal Patrizia, Hut ab.

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