Versicherer AIG: Die „gefährlichste Firma der Welt“ ist entschärft

Versicherer AIG
Die „gefährlichste Firma der Welt“ ist entschärft

Es war die wohl größte Rettungsaktion in der Finanzkrise: 182 Milliarden Dollar machten die USA locker, um den US-Versicherungsgiganten AIG und damit die ganze Finanzbranche zu retten. Nun gibt es ein Happy End.
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DüsseldorfEs war die mit Abstand größte Rettungsaktion der US-Regierung für ein einzelnes Unternehmen. Und wohl keine andere löste derart wütende Reaktionen bei den Steuerzahlern aus: Mit insgesamt 182 Milliarden Dollar bewahrten Finanzministerium und Notenbank Fed den Versicherungsgiganten AIG – und damit die gesamte Finanzbranche – Ende 2008 vor dem endgültigen Zusammenbruch.

Rund vier Jahre später soll sich das Kapitel nun endgültig schließen: Der Staat will sich vollständig aus dem verstaatlichten Konzern zurückziehen. Wie das US-Finanzministerium am Montagabend mitteilte, soll der restliche Anteil an Stammaktien  – 234 Millionen Stück – verkauft werden. Interessenten gebe es bereits. Der Preis liegt laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg bei 32,50 Dollar. Das würde der Regierung rund 7,6 Milliarden Dollar in die Kasse spülen.

Die AIG-Rettung würde damit für den Staat unter dem Strich zu einem guten Geschäft. Bisher hat die US-Regierung mit der Platzierung von AIG-Aktien sowie Gebühren und Zinsen für die Hilfen bereits mehr als 15 Milliarden Dollar verdient. „Es war kontrovers und ein großes Risiko“, sagte kürzlich Ex-Vorstandschef Robert Willumstad über die Rettung „Aber man würde heute sagen, dass die Regierung ihr Geld zurückbekommen und einen ordentlichen Gewinn gemacht hat“.

Kaum ein Finanzunternehmen war derart schwer von der Finanzkrise betroffen wie AIG. Der Konzern hatte massenhaft zweifelhafte Hypothekenwetten von Banken und Fonds mit Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) abgesichert. Als die versicherten Papiere alle auf einmal und überall schlagartig an Wert verloren, kaum AIG in Straucheln.

Eine Pleite hätte wohl einen Dominoeffekt und schwere Konsequenzen für die gesamte Finanzwelt nach sich gezogen – nicht umsonst galt AIG lange als „gefährlichste Firma der Welt“. Von der Rettung profitierten deshalb letztlich auch jene Institute, die ohne Staatsgeld durch die Krise gekommen waren, etwa die Deutsche Bank.

Um eine völlige Kernschmelze auf den Finanzmärkten zu verhindern, starteten die USA am 16. September 2008, einen Tag nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, eine historische Rettungsaktion. Die Fed von New York gewährte dem Konzern eine Kreditlinie in Höhe von 85 Milliarden Dollar, damit das Unternehmen seinen Verpflichtungen nachkommen konnte. Im Gegenzug übernahm der Staat zunächst 80 Prozent der Anteile.

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Bernanke war wütend

Kommentare zu " Versicherer AIG: Die „gefährlichste Firma der Welt“ ist entschärft"

Alle Kommentare
  • "RETTUNG" ist ein Begriff zur Gehirnwäsche der Massen

    "RETTUNG" bedeutet in Wirklichkeit: Die breite Masse bezahlt die aus Finanzgeschäften entstandenen Gewinne der Multimilliardäre.

    Diese RETTUNG ist schlicht Diebstahl in unfassbaren Ausmaßen.

  • Ich komme nicht ganz mit wieso das nun ein gutes Geschäft für den Steuerzahler/Staat gewesen sein soll.

    Zumindest die schlappen 99 Milliarden Verlust dürften doch letztlich am Steuerzahler hängengeblieben sein?

    Damit wäre die "Rettung" eine gigantische Umverteilung vom Steuerzahler zu den Gläubigern der AIG gewesen.

    Es wäre sehr wünschenswert zu wissen, wem die wahnwitzige Summe letztlich zu Gute kam.

  • Die Aufgabe 'hedgen' ist es Risiken zu verteilen. Und das klappt wunderbar. Und nein, man kann nicht jedes Risiko auslagern, denn auch an Finanzmärkten gibt es kein Freibier

  • Verschwörungstheorien sind doch wirklich was feines. Bringt so ein schönes wohliges Schauern, sozusagen die Krimis der Neuzeit. Aber gegenüber dem Krimi haben Verschwörungstheorien den großen Vorteil, dass der Verstand völlig unbelastet bleibt.

  • Das ist die politisch korrekte Lesart. Wenn Sie die bevorzugen, dann erlauben Sie die Frage: Womit wurden die "Gewinne" erwirtschaftet, von denen die "Kredite" (großteile von der Fed neu gedruckt) zurück gezahlt wurden? Bestimmt nicht durch Schaffung von Mehrwert i.S. des produzierenden Gewerbes, sondern großteils durch Verkauf von "virtuellen" Gütern ("Papieren" aller Art). M.a.W. der Steuerzahler hat gebürgt, die Fed hat gedruckt, ein Teil liegt vermutlich bei einer bad bank (Wer löst die später aus?). Für die Regoierungt mag das ein Geschäft sein, die Volkswirtschaft insgesmt bleibt auf den Verlusten sitzen.
    "Austrocknung des Marktes" ist wirklich eine noble Erklärung - etwas prosaischer: Es hat niemand mehr den virtuellen Mist kaufen wollen, durch die "Stützungen" (Kredit, Bürgschaft) sind alte Mistspieler beruhigt, und neue gewonnen worden. Der nächste Absturz wird umso heftiger. Es sei denn, die virtuelle Geldmenge wird auf ein die Realwirtschaft einigermaßen abbildendes Maß zurückgeführt. Leider gibt dafür keinerlei Anzeichen.

    Die all dem zu Grunde liegene These, jegliches Risiko wäre "hedgebar", ist grottenfalsch. Da helfen auch Worthülsen wie CDS's usw. nicht ab.

  • Das glaub ich kaum. Ebensowenig, wie die HRE den Steuerzahler 135 Mrd gekostet hat. Der grösste Teil dieser Summen wurde/wird zurückgezahlt und nur, was dann noch bleibt, hat wirklich "gekostet". Und das wohl auch vor allem wegen Griechenland...

  • Nicht vergessen, der damalige Finanzminister war vorher Vorstand bei Goldman Sax. Mit Lehman Brothers wurde ein lästiger Konkurrent von GoldSax "fallen gelassen".

    Bei AIG war GoldSax groß investiert und deswegen mußte AIG auf Gedeih und Verderb gerettet werden. Egal, was das den Steuerzahler kostet.

  • Es gibt einen Unterschied zwischen Kaufpreis und Krediten/Bürgschaften. Es gibt auch einen Unterschied zwischen Eigentum eines Unternehmens und Eigentum des Unternehmens.

  • Die WestLB kostete den Steuerzahler 180 Milliarden EURO!!!

  • Die sind zwischenzeitlich ausgelaufen bzw. nicht fällig geworden. Ich glaube das Sie nicht verstanden haben, was diese Derivate eigentlicht sind.

    Wenn jemand CDS im Wert von z.B. 100 Mio hat und dann eine Pleite des versicherten Unternehmens droht, dann mag die CDS vorübergehend weniger wert sein. Aber das CDS wird zum einen nicht komplett wertlos und zum anderen (wenn das versicherte Unternehmen doch nicht pleite geht), liegt zum Laufzeitende der Wert wieder über 100% (100%=Nominalwert, > 100% wegen des erzielten Gewinnes).

    In diesem Fall summiert sich der Gewinn auf 25Mrd. Wo ist Ihr Problem?

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