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02.07.2008 
Anlagepolitik

Versicherer meiden Aktien und Rohstoffe

von Rita Lansch

Die Versicherer werden in ihrer Anlagepolitik wieder vorsichtiger, weil ihre Reserven im aktuellen Kapitalmarktumfeld zur Neige gehen. Aktien und Rohstoffe sind daher im Moment kaum gefragt. Immobilien dagegen gewinnen wieder an Attraktivität – als Ausweg in einem schwierigen Kapitalmarktumfeld.

MÜNCHEN. Das ist der Tenor der achten Handelsblatt-Jahrestagung "Kapitalanlagestrategien für Versicherungen", die seit Dienstag in München stattfindet. Aktuell können die Versicherer zwar von den steigenden Zinsen in der Neuanlage profitieren. Doch die Branche sitzt auf riesigen Beständen von festverzinslichen Papieren und deren Marktwerte fallen mit den höheren Zinsen. Wenn die Papiere am Markt unter die Buchwerte fallen, entstehen sogar so genannte stille Lasten. Ein solches Szenario halten Branchenkenner inzwischen nicht für abwegig.

Die deutsche Versicherungswirtschaft ist mit mehr als 1,1 Billionen Euro Kapitalanlagen einer der größten Investoren unserer Volkswirtschaft. Das Gros verwalten die Lebens- und Krankenversicherer. Sie müssen dabei aus Sicherheitsgründen genaue Vorschriften einhalten. Traditionell liegt der Schwerpunkt der Anlagen in festverzinslichen Papieren. In diesen Anleihebeständen schlummern in der Regel auch die meisten Reservepolster der Branche. Die nutzt sie üblicherweise zur Glättung von Durststrecken in anderen Anlageklassen, wie etwa Aktienkurseinbrüchen.

Die Reserven in den Anleihebeständen der Lebensversicherer sind nach Schätzung von Wolfram Gerdes, Vorstandsmitglied der Württembergischen Versicherungen, inzwischen auf ein Prozent der Buchwerte gesunken und könnten bei der ein oder anderen Gesellschaft schon auf Null liegen. Ende 2007 lagen diese Reserven nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft noch bei zwei Prozent der Kapitalanlagen; 1999 erreichten sie mit mehr als 14 Prozent gar einen Höchststand.

Gerdes betont jedoch, dass die derzeitige Situation für die Versicherer nicht dramatisch sei, weil sie erstens die Papiere in der Regel bis zur Endfälligkeit halten und zweitens im Anlagevermögen auch nicht abschreiben müssten. Dementsprechend sei das Problem auszusitzen. "Lediglich das Umschichten in höherverzinslichere Anlagen wird riskanter", glaubt der Manager.

Was tun die Anlagestrategen in dieser Phase also? "Mit den schmelzenden Puffern wird es schwieriger, zum Beispiel einen Schock am Aktienmarkt zu stemmen", so Gerdes, " deshalb werden die Versicherer jetzt vorsichtiger." Viele sicherten ihre Aktienbestände derzeit gegen Kursverluste ab; manche stiegen auch aus Aktien aus oder reduzierten ihre Anteile. "Dagegen gewinnen Immobilien wieder an Interesse", so Gerdes. Dort lägen noch nachhaltige Reserven, weil der deutsche Markt nicht so stark eingebrochen sei. Die Versicherer hätten aber erst rund fünf Prozent in Immobilien investiert. Da sei noch viel mehr drin.

Demgegenüber sehen Versicherer die neuerdings erlaubten Investitionen in Rohstoffe als eher riskant und damit weniger interessant an. Volker Greve von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist ähnlicher Meinung. Er stuft Rohstoff-Titel als ähnlich riskant ein wie Hedge-Fonds. An der Dominanz der Festverzinslichen werde sich daher so bald nichts ändern.

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