Bei der Allianz France gehen die Vermittler auf die Barrikaden. Sie beklagen das Fehlen einer Strategie, um die anhaltende Erosion der Kundenzahlen zu stoppen. In der Zentrale in München wird die Revolte als rein französisches Problem angesehen. Dabei ist auch in Deutschland längst nicht alles in Ordnung.
Versicherer: Vertreter rebellieren bei Allianz France
Während in Frankreich die Allianz-Vermittler revoltieren, sieht man in Deutschland der Sache gelassen entgegen. Quelle: ap
PARIS/FRANKFURT. „Wir haben den Eindruck, dass der Konzern von Finanzexperten auf Quartalsbasis gesteuert wird, uns fehlt eine langfristige Perspektive und eine klare Strategie“, beklagt Jean-Jacques Gadrat, Präsident der Vermittler-Organisation Mag3 gegenüber dem Handelsblatt.
So würde die Allianz in Frankreich weiter Kunden verlieren. Laut Gadrat hätte die Allianz mit einer Preiserhöhung von durchschnittlich über vier Prozent im Kfz-Geschäft allein in diesem Jahr 20 000 Kunden vergrault, bei Hauspolicen seien es 7 000. „Durch Kündigungen und drastische Preiserhöhungen haben wir zudem im Industriegeschäft rund 20 000 Kunden verloren“, beklagt der Vermittler-Sprecher. Nach eigenen Angaben vertritt sein Verband rund 60 Prozent der 2 200 Allianz-Vermittler in Frankreich.
München sieht den Aufstand als rein französisches Problem
Jacques Caba, der bei der Allianz in Frankreich als Direktor für die selbständigen Allianz-Vermittler verantwortlich ist, kann die Klagen nicht nachvollziehen: „Es gibt wohl kaum einen Versicherer in Frankreich, der so viel für seine Vermittler tut, wie die Allianz.“ So seien im Schnitt die Einnahmen pro Vermittler in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Bei der Allianz in München gibt man sich gelassen; die Vertreter-Revolte wird als rein französisches Problem angesehen.
Am Donnerstag und und Freitag treffen sich die Verbände der Allianz-Vertreter aus Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich in München, um über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen. Am lautesten dürften dabei die Kollegen aus Frankreich klagen. Sie hoffen auf Unterstützung.
Frankreich ist für die Allianz der zweitgrößte Markt nach Deutschland. 2008 nahm der Münchener Versicherungsriese in Frankreich acht Milliarden Euro aus Lebensversicherungspolicen ein, und rund vier Milliarden Euro aus Sach- und Haftpflicht-Policen. Nach Unternehmensangaben hat die Allianz in Frankreich fünf Millionen Kunden und 11 000 Mitarbeiter.
Vermittler-Sprecher Gadrat verzweifelt daran, dass sich die Allianz gegenüber den Finanzmärkten in Top-Form präsentiert und hohe Solvabilitätsmargen ausweist. „Gleichzeitig wird nicht genug dagegen getan, dass wir seit Jahren Kunden in Frankreich verlieren. Wir verstehen das einfach nicht.“ Im Industrie-Geschäft zum Beispiel habe das Management im Sommer einen neuen Strategieplan vorgelegt, um Kunden zu gewinnen. „Danach erfahren wir von drastischen Preiserhöhungen für rund 15 000 Kunden und davon, dass rund 5 000 Kunden gekündigt wird.“ Die Vermittler haben im Oktober einen Brief an Allianz-CEO Michael Diekmann geschrieben und um ein Treffen gebeten; Diekmann antwortete mit einem Bekenntnis zum Vermittler-Netz, ging aber auf das Gesprächs-Angebot nicht ein. Auch mit dem französischen Management sei der Dialog gestört, klagt Gadrat.
Gut für die Allianz, dass sich der Unmut im deutschen Vermittler-Netz nach den Restrukturierungen wieder gelegt hat. Markus Dumsch, Präsident der deutschen Vermittlervereinigung, spricht von „einen konstruktiven Dialog mit dem Management.“
Auch in Deutschland ist längst nicht alles in Ordnung
Dennoch ist auch in Deutschland längst nicht alles in Butter. Hinter vorgehaltener Hand wird im Vermittler-Netz auch in Deutschland von „Diskussionsbedarf“ gesprochen. Unzufrieden sind viele Agenturen unverändert darüber, dass sie immer mehr Verwaltungsarbeit übernehmen müssen und damit weniger Zeit für die Kunden haben. Auch über die Strukturveränderungen im Schadenmanagement wird weiter gemurrt. Statt einfach wie bisher einen Sachbearbeiter anzurufen, landen sie mit ihren Anliegen nun in einer Telefonzentrale, die ihre Wünsche standardisiert bearbeitet. Und wenn sie Pech haben, hängen die Vermittler dann in Warteschleifen.Die Allianz hatte in Deutschland im vergangenen Jahr ein neues Betriebsmodell eingeführt. Eine umfassende Umstrukturierung der Prozesse und IT.
In Frankreich müssen die Vermittler gerade die Namensänderung verdauen. Der Traditionsname „AGF“ wird gegen die Dachmarke „Allianz“ getauscht. Dazu läuft eine breit angelegte Werbekampagne, denn der Name „Allianz“ ist in Frankreich kaum bekannt. Laut Vermittler-Sprecher Gadrat würde die Kampagne aber kaum etwas bringen; „es fehlt eine kommerzielle Offensive.“
Kommentare (4)
@ BlauerClaus - Ihr Name ist Programm - ziemlich blauäugig Ihre Ausführungen. Das einzige was der interessierte und informierte Kunde im Internet vergleichen kann ist der Preis. 40 Seiten kleingedruckte Versicherungsjuristerei laufen bei solchen Helden wie Sie einer sind, ja ganz locker neben bei mit. Viel Erfolg mit Ihrem Ansatz.
In Zeiten der Geiz ist Geil Mentalität verwundert es mich nicht, wenn jeder meint er sei der Experte auf jedem Fachgebiet.
Ich gebe allen Recht die sich umfassend in die Versicherungsbedingungen und -fallstricke einarbeiten und dann eine fundierte Entscheidung treffen.
Dieser Fall ist aber äußerst selten, da die wenigsten die dazu Zeit haben.
Statt dessen wird schnell im Internet geklickt und das vermeintliche Schnäppchen herausgepickt. Schöne Überraschung wenn dann Probleme bei der Vertragsausübung auftreten. Und natürlich die beste Gelegenheit dem Versicherer die mangelnde Aufklärung zu unterstellen.
Fundierte Ausbildung und Beratung kostet nun mal Geld.
In Zeiten der Geiz ist Geil Mentalität verwundert es mich nicht, wenn jeder meint er sei der Experte auf jedem Fachgebiet.
Ich gebe allen Recht die sich umfassend in die Versicherungsbedingungen und -fallstricke einarbeiten und dann eine fundierte Entscheidung treffen.
Dieser Fall ist aber äußerst selten, da die wenigsten die dazu Zeit haben.
Statt dessen wird schnell im Internet geklickt und das vermeintliche Schnäppchen herausgepickt. Schöne Überraschung wenn dann Probleme bei der Vertragsausübung auftreten.