Versicherungen: Versicherer werden ins Risiko gedrängt

Versicherungen
In der Defensive

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Versicherer werden ins Risiko gedrängt

Das schwierige Umfeld beginnt deshalb, das Gesicht der ganzen Branche nachhaltig zu verändern. Denn die Konzerne forcieren inzwischen ein neues Anlageverhalten. Wie eine Studie des Vermögensverwalters Blackrock zeigt, entdecken die Manager nämlich nun notgedrungen etwas, was sie lange gemieden eher haben: den Mut zum Risiko.

Die schwer vorstellbare Summe von zwölf Billionen Dollar, umgerechnet elf Billionen Euro, verwalten allein die Unternehmen der Versicherungsbranche, die für die Studie befragt wurden. Was tun sie, wenn klassische Staatsanleihen praktisch keine Rendite mehr abwerfen, aber feste Garantiezinsen Millionen von Lebensversicherungskunden versprochen sind?

Die Experten in den Unternehmenszentralen der Branche haben dafür mehrheitlich eine Antwort: Um auf eine ausreichende Rendite zu kommen, erhöhen die Investmentmanager das Anlagerisiko. Die Versicherer werden danach auch im kommenden Jahr vermehrt auf risikoreichere Anlageformen setzen. „No risk, no fun“, lautet das neue Motto. Die Umfrage belegt: Die lockere Notenbankpolitik, niedrige Anleiherenditen und ein schwächelndes Wirtschaftswachstum führen dazu, dass der Risikoappetit der Versicherer drastisch steigt. So geben weltweit 47 Prozent der Befragten an, das Risiko in ihren Anlageportfolios innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate anheben zu wollen. Lediglich acht Prozent planen dagegen eine Reduzierung.

Die Manager haben kaum eine andere Wahl. Vollmündig gaben viele Konzerne in den vergangenen Jahrzehnten hohe Renditeversprechen mit Zinsen von bis zu mehr als drei Prozent ab. Es sind Garantien, die nun für viele Firmen zunehmend zur Last werden. Denn die Gesellschaften müssen für die Altverträge hohe Summen an Eigenmitteln vorhalten. Das regeln die neuen Vorschriften für die Kapitalausstattung der Branche, die seit 1. Januar 2016 gelten. Solvency II heißt das gesetzgeberische Regelwerk. Es soll dafür sorgen, dass die Versicherer ausreichend Kapital für eingegangene Risiken vorhalten und im Krisenfall nicht vom Staat gerettet werden müssen.

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