Die Turbulenzen am Kapitalmarkt, heftige Wirbelstürme und Inflationssorgen setzen der Versicherungsbranche zu. Nach zwei guten Jahren mit Liquidität im Überfluss, stabilen Kapitalerträgen und robustem Wirtschaftswachstum kämpft die Branche nun mit sinkenden Margen.
Nach zwei erfolgreichen Jahren sind die Konzerngewinne der fünf größten Rückversicherer im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr kräftig gesunken. Nun hoffen die Versicherer, allen voran der Weltmarktführer Münchener Rück, auf die Trendwende. Foto: dpa
MONTE CARLO. "Die Konzerngewinne der fünf größten Rückversicherer sind im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent gesunken", sagte Torsten Jeworrek, im Vorstand der Münchener Rück
für das Kerngeschäft zuständig, gestern zum Auftakt des Versicherungstreffens in Monte Carlo. Allerdings hat die Branche zwei gewinnstarke Jahre hinter sich.
"Vor zwölf Monaten herrschte Liquidität im Überfluss, die Kapitalerträge waren stabil und das Wirtschaftswachstum robust. Jetzt ist das Gegenteil der Fall", so die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Aber, die Verschlechterung des Umfelds träfe den Sektor zur rechten Zeit, weil die Bilanzen in den guten Jahren gestärkt worden seien. Und: Das Schlimmste der globalen Kreditkrise habe die Branche gut überstanden.
Die Rückversicherer hatten zwischen 2001 und 2005 massiv die Preise erhöht. Die Folgejahre waren zudem relativ arm an Schäden, so dass sie ab 2006 kräftige Gewinne einfahren konnten. Das hat neue Anbieter angelockt, die mit ihrem überschüssigen Kapital den Wettbewerb anheizen. Seitdem fallen die Preise wieder. Zusammen mit rückläufigen Kapitalerträgen schlägt diese Gemengelage negativ auf die Profitabilität der Branche durch. Den großen Gesellschaften sitzen daher Aktionäre und Ratingagenturen im Nacken. Am schärfsten reagierte gestern S&P: "Entweder die Branche stabilisiert 2009 erfolgreich die Prämien oder sie wird niedrigere Bonitätseinstufungen erleben."
Bisher haben sich die Rückversicherer vergeblich bemüht, die Talfahrt der Prämien aufzuhalten. Davon haben in erster Linie ihre Kunden, die Erstversicherer, also Unternehmen wie Allianz
oder Huk profitiert. Zum Teil geben sie diese Preisvorteile an die Verbraucher, etwa über günstige Autoversicherungstarife, weiter.

