Versicherungskonzern: Allianz beendet Bank-Abenteuer

Versicherungskonzern
Allianz beendet Bank-Abenteuer

Der Versicherungsriese beendet seinen Ausflug in die Bankenwelt. Das Geschäft wird zu Ende Juni eingestellt. Rund 450 Arbeitsplätze fallen weg. Die Allianz dürfte mit dem Projekt einen Millionenbetrag verloren haben.
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MünchenDer Versicherungskonzern Allianz schließt seine Bank-Sparte. Der operative Betrieb werde zum 30. Juni eingestellt, teilte die Allianz-Tochter Oldenburgische Landesbank (OLB) mit. Die Wachstumserwartungen hätten sich nicht erfüllt, das Geschäft blieb defizitär. Rund 450 Arbeitsplätze werden gestrichen. Die Allianz dürfte mit dem Projekt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag verloren haben.

Damit räumt der Versicherungskonzern nach dem Debakel mit der Dresdner Bank zum zweiten Mal sein Scheitern im Bankgeschäft ein. Die Allianz Bank wuchs in den vergangenen Jahren deutlich langsamer, als vom Konzern erhofft, zudem schreibt sie immer noch Verluste.

Die Allianz hatte ihre Bank nach dem Verkauf der Dresdner Bank im Juni 2009 aus der Taufe gehoben. Sie ist eine Tochter der Oldenburgischen Landesbank. An der Regionalbank will die Allianz hingegen festhalten. Mit der Allianz Bank wollte der Konzern über die Versicherungsvertreter auch weiterhin einfache Bankprodukte wie Giro- oder Tagesgeldkonten, Fondssparpläne oder Kleinkredite anbieten.

Zum Start hatte die Allianz Bank einen Kundenstamm von rund 350.000 Kunden, die von den Allianz-Vertretern ursprünglich für die Dresdner Bank angeworben waren. Damals hatte die Allianz Bank das Ziel ausgegeben, jedes Jahr 100.000 neue Kunden anzuwerben und spätestens 2014 keine Verluste mehr zu schreiben.

Doch diese Ziele waren bis zuletzt nicht erreicht worden. „Unsere Erwartung, mit unserem Geschäftsmodell im hart umkämpften Privatkundengeschäft profitabel wachsen zu können, hat sich nicht erfüllt“, sagte Andree Moschner, Allianz-Deutschland-Vorstand und OLB-Aufsichtsratschef.

Die Verluste der Allianz Bank sind vergleichsweise niedrig – im Bankgeschäft kam die Allianz zuletzt dank kleiner OLB-Gewinne operativ auf eine schwarze Null. Dennoch entschied sich der Versicherungskonzern nun für den radikalen Schnitt.

Die Abwicklungskosten werden von der Allianz Deutschland getragen, die auch die Anlaufverluste der Allianz Bank übernommen hatte. Ein Sprecher sagte, die Allianz Bank habe den Konzern seit der Gründung vor vier Jahren rund 400 Millionen Euro gekostet. Länger laufende Produkte würden fortgeführt, für Konten und Kreditkarten müssten sich die Allianz-Bank-Kunden aber eine neue Bankverbindung suchen, sagte der Sprecher. Das betrifft nach Angaben der Bank etwa 325.000 Kunden. Die im Nordwesten Deutschlands tätige OLB selbst sei von der Schließung unberührt.

Mit Material von Reuters

Kommentare zu " Versicherungskonzern: Allianz beendet Bank-Abenteuer"

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  • Die Allianz gibt das "Banken-Abenteuer" auf - ohne es m. E. jemals richtig angegangen zu sein: Mit der Übernahme der damaligen Dresdner Bank ließ man Chancen in Bezug auf ganzheitliche Kundenberatung liegen, um lediglich das Adresspotenzial für den Vertrieb von Versicherungsprodukten (Schwerpunkt Sachversicherungen) zu nutzen. Wertpapier- und Kreditberater der ehemaligen Dresdner Bank wurden vergattert, auf Sachversicherungsprodukte zu fokussieren - zur Verunsicherung der Kunden. Kein Wunder also, dass Kunden der Dresdner Bank ihre Hausbank nicht mehr als ausgezeichnete Bank, sondern als mittelmäßigen Versicherungsvertrieb wahrnahmen - das Ende ist bekannt. Nun ruft die Allianz das Ende der Allianz Bank aus - einer Vertriebssparte, die von Anbeginn an keine wirkliche Chance hatte: Die Sensibilisierung der Allianz-Vertretungen für das Bankgeschäft blieb (erneut) aus, außerdem durfte die Allianz-Bank das (gerade jetzt) lukrative Baufinanzierungsgeschäft nicht anbieten, denn das lag und liegt bei der Allianz selbst. Ein Vergleich mit dem Automobilhersteller Opel bietet sich hier an, Opel darf den lukrativen Asien-Markt nicht bedienen und kommt deshalb nicht aus der Problemzone heraus. Fazit: Die Verantwortlichen bei der Allianz haben in Bezug auf Bankgeschäft seit nunmehr mehr als 10 Jahren alles, aber auch wirklich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Da ist es ausgesprochen bedauerlich, dass nicht die Verantwortlichen, sondern eben wieder mal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Leidtragenden sind.

  • ich will kaufen die Allianzbank.

  • Ich kaufe die Allianz Bank .

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